Wichtige agrarpolitische Entwicklungen 2014
Landwirtschaftliche Gesamtrechnung Österreich für das Jahr 2014
Nach Rückgängen 2012 und 2013 ist es im Jahr 2014 in der österreichischen Landwirtschaft wieder zu einer Zunahme des Produktionsvolumens gekommen. Die Einkommen sind gemäß den jüngsten Vorschätzungen der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung dennoch zurückgegangen. So verringerte sich das reale landwirtschaftliche Faktoreinkommen je Arbeitskraft gegenüber 2013 um voraussichtlich 3,0 Prozent. Das im landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt erwirtschaftete Faktoreinkommen nahm nominell ebenfalls um 3,0 Prozent ab. Vor allem die öffentlichen Zahlungen sanken um 5,4 Prozent stark. Die Aufwendungen für Vorleistungen betrugen um 2 Prozent weniger als 2013. Dies ging aus der zweiten Schätzung der Statistik Austria vom Februar 2015 hervor.
Infolge reichlich versorgter Märkte kam es vor allem im zweiten Halbjahr zu deutlichen Preisrückgängen. Dabei setzten ab Anfang August das russische Embargo auf Agrarrohstoffe und Lebensmittel die EU-Agrarmärkte insgesamt deutlich unter Druck. So lagen im Jahresmittel die Erzeugerpreise um 4,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Vor allem das Erzeugungsvolumen im pflanzlichen Bereich nahm mit 9,5 Prozent deutlich zu, während die tierische Produktion stagnierte. Aus pflanzlicher Sicht kam es infolge feuchter Witterung und hoher Niederschlagsmengen zu Qualitätsbeeinträchtigungen vor allem bei den Herbstkulturen wie Mais, Wein oder Kürbis. Dennoch lagen die Erntemengen bei Mais beispielsweise um 42,8 Prozent über den dürrebedingt niedrigen Vorjahreswerten. Auch Getreide und Soja hatten ein starkes Erzeugungsvolumen. Im Kernobstbereich konnte eine gute Ernte eingebracht werden, die jedoch von einer extrem hohen EU-Ernte begleitet wurde, welche die Preise u.a. auch durch den Rückstau vom Russlandembargo verfallen ließ. Der Wert der heimischen Gemüseproduktion war leicht rückläufig, während im Weinbau der Produktionswert infolge eines erhöhten Selektionsaufwandes um 15,2 Prozent rückläufig war.
Das tierische Produktionsvolumen blieb annähernd gleich. In der Schweinehaltung wurde die Entwicklung stark von der Russlandsperre für EU-Schweinefleisch ab Februar 2014 geprägt. Die Erzeugerpreise sanken um deutliche 6,7 Prozent. Unter dem Wert von 2013 lag auch der Wert der Rinderproduktion (-4,9%). Die Milchproduktion wurde vor dem Quotenauslauf 2015 nochmals deutlich gesteigert (+3,9%). Die Milchpreise waren Anfang 2014 noch sehr gut, während sie gegen Ende 2014 deutlich gefallen sind. Insgesamt lagen sie aber um 4,9 Prozent über dem Jahresschnitt 2013. Der Produktionswert von Geflügel war leicht höher, während in der Eiproduktion rückläufige Preise auch zu einem Rückgang des Produktionswertes geführt haben.
Programme der Gemeinsamen Agrarpolitik genehmigt
Das Programm zur Ländlichen Entwicklung 2014-2020 ist als eines der ersten Programme der Mitgliedstaaten in Brüssel genehmigt worden. Insgesamt werden für das Gesamtprogramm bis Ende 2020 rund 12,5 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Herzstück dabei ist das Bergbauern- und das Umweltprogramm das die besonderen Leistungen der Bergbauern weitestgehend berücksichtigt. Auch für die Ackerbauern und die Veredelungsbetriebe können damit wichtige Programme für den Grundwasser-, Erosions- und Bodenschutz angeboten werden. Wie im Regierungsprogramm festgelegt, gibt es besondere Signale für die Jungbauern und Jungbäuerinnen, für die biologische Landwirtschaft und für die Aus- und Weiterbildung. Die Investitionsförderung wird den steirischen Bäuerinnen und Bauern notwendige Investitionen, insbesondere im Bereich Tierschutz und Tierwohl ermöglichen. Mit dem Übergang in der Säule I vom „historischen Modell“ mit Flächenprämien und gekoppelten Zahlungsansprüchen hin zum sogenannten „Regionalmodell“ wird es einzelbetrieblich durchaus zu Veränderungen kommen, die aber mit dem fünfjährigen Übergangszeitraum abgemildert werden sollten. Ein forstliches Förderprogramm im Rahmen der LE 2014-2020 mit den Schwerpunkten Holzbereitstellung, Wald & Umwelt, Kooperationen, Weiterbildung und Schutzwald wird angeboten werden. Das vorliegende Ergebnis ist kein Grund zu einer Jubelmeldung, aber auch kein Grund zur Resignation.
Russlandembargo Auswirkungen
Das Russlandembargo hat im Herbst viele Sparten hart getroffen, indem das zusätzliche Überangebot auf die Preise drückte. Allerdings wurden alle erdenklichen Initiativen gesetzt, um neue Warenströme zu erzeugen und neue Absatzkanäle so rasch wie möglich zu erschließen.
Zahlreiche Aktionen sind seit Herbst gestartet worden, wie etwa
• Initiativen in Unternehmen für regionale Produkte wie etwa den Mitarbeiterapfel
• Exportoffensive für neue Märkte in China, Südkorea, auf den Philippinen, mit dem Ziel die Verluste des Embargos im Laufe der kommenden zwei Jahre durch Erschließung neuer Märkte auszugleichen
• Initiativen im Gastronomie- und Großküchenbereich
• Imagekampagne auf dem Heimmarkt durch AMA-Marketing
• die Begleitung all dieser Initiativen durch eine Task Force im BMLFUW mit allen Akteuren
• die Erzeugung einer Solidaritätswelle in der Gesellschaft beim täglichen Einkauf
Erkennbar ist das Bemühen vieler Medien, die großartige Qualität unserer landwirtschaftlichen Produkte zu präsentieren und die regionale Herkunft als besondere Marke zu positionieren.
Die Landwirtschaftskammer hat in einer Analyse Einbußen in den vom Russlandembargo betroffenen steirischen Sparten quantifiziert. So wurden als Totalausfall, weitere direkte Schäden und als Wertschöpfungsverluste für 2014 Mindererlöse von insgesamt etwa 55 Mio. Euro berechnet.
Getroffen hat es vor allem die Sparten Ferkelerzeugung, Mast- und Zuchtschweine, Tafeläpfel, Paradeiser, Zuchtrinder, Schlachtkühe, sowie den Milch- und Käsebereich.
Downloads zum Thema
- 01.1 Bevölkerung PDF 10,34 kB
- 01.2 Betriebe und Flächennutzung im Zeitvergleich PDF 12,34 kB
- 01.3 Zusammensetzung des Produktionswertes PDF 13,42 kB
- 01.4 Anzahl der Betriebe nach Erwerbsstruktur PDF 13,36 kB
- 01.5 Flächenbilanz der Betriebe PDF 10,63 kB
- 01.6 Kulturartenverteilung der Betriebe in ha PDF 15,81 kB
- 01.7 Entwicklung der Bergbauernbetriebe PDF 12,07 kB
- 01.8 Betriebs- und Einkommensdaten Testbetriebe PDF 59,32 kB
- 01.9 Pro-Kopf-Verbrauch PDF 14,89 kB