Die existenzielle Krise in der Schweinehaltung betrifft nicht nur die Schweinebauern direkt, die gesamte Wertschöpfungskette bröckelt. Von der Schweinebranche hängen rund 17.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, Futtermittelwirtschaft, Schlacht- und Verarbeitungsbranche, im Stallbau und der Bauwirtschaft ab.
„Die steirische und österreichische Schweinehaltung steht an einem Kipppunkt. Werden die aktuellen Herausforderungen nicht bewältigt, führt das zu einem massiven Einbruch der Schweinehaltung in der Steiermark und in Österreich und zum Verlust der Eigenversorgung sowie von Wirtschaftskraft in den Regionen“, betonen
Steinegger und
Kaiser. Damit die heimischen Schweinebäuerinnen und Schweinebauern wieder wirtschaftliche Perspektiven bekommen, fordern Landwirtschaftskammer und Styriabrid ein Zukunftspaket von der Politik und ein klares Bekenntnis der Abnehmer, des Handels und der Bevölkerung zu heimischem Schweinefleisch:
- Schluss mit Gold Plating: Die ständig höheren gesetzlichen Anforderungen in Österreich führen zu Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU. „Die höheren Standards verteuern die Produktion in Österreich. Höhere Standards müssen auch in den anderen europäischen Ländern gelten“, betont Obmann Kaiser.
- Attraktive und ausreichend dotierte Investitionsförderung bis 2034: „Wer höhere Standards in der Schweinehaltung fordert, muss auch dafür sorgen, dass die Betriebe diese finanzieren können“, unterstreicht Präsident Steinegger. Und er verlangt: „Die Fördersummen müssen an die hohen Investitionssummen angepasst und die Förderobergrenzen erhöht werden“. Nur ein Beispiel: Die Investitionssummen für Schweineställe liegen vielfach bei ein bis zwei Millionen Euro.
- Stallumbauten für mehr Tierwohl – einfache und unbürokratische Genehmigungen. „Müssen Schweinebauern ihre Ställe – aufgrund neu vorgeschriebener höherer gesetzlicher Standards – umbauen, dann muss dieser Umbau bei gleichbleibenden Emissionen auch schnell und unbürokratisch erfolgen dürfen“, verlangt Kaiser. Und er betont: „Das ist logisch, die Sachlage klar.“
- Heimische Qualität nicht austauschen: Klares Bekenntnis aller Marktakteure zu heimischem Schweinefleisch. Diese Forderung geht an die Lebensmittelverarbeiter, den Lebensmittelhandel, die Gastronomie und Bevölkerung. „Durch das anhaltende Preistief erfolgt ein schleichender Austausch von heimischem Qualitätsschweinefleisch durch ausländische Billigstware. Vor allem in Wurstwaren und anderen Verarbeitungsprodukten ist ausländisches Schweinefleisch nicht sichtbar“, kritisiert Kaiser. Sein Appell: „Einfach im Geschäft und in der Gastronomie nachfragen, woher das Fleisch kommt.“
- Flächendeckende und einheitliche Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Ohne klare Herkunftskennzeichnung bleibt österreichisches Schweinefleisch in der Gastronomie unsichtbar. „Deshalb braucht es eine flächendeckende und einheitliche Herkunftskennzeichnung auf der Speisekarte. Die Herkunft muss auf einem Blick erkennbar sein“, betonten Steinegger und Kaiser.