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Schafmilch und Lammfleisch im Aufwind

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26.06.2026

Nachfrage steigt kontinuierlich – ausgezeichnete Chancen! Bestehende Wirtschafts gebäude können oft mit niedrigen Investitionskosten angepasst werden

Käseplatte © Weizer Genuss Manufaktur GmbH
© Weizer Genuss Manufaktur GmbH
Der Markt für Lammfleisch und Schafmilch entwickelt sich derzeit erfreulich mit klaren Per-spektiven für bäuerliche Betriebe. Obwohl die Schafbestände steigen, ist der Markt dennoch langfristig aufnahmefähig.
Derzeit vermarkten die beiden großen steirischen Abnehmer, – der Schaf- und Ziegenzuchtverband und die Weizer Schafbauern/Genuss Manufaktur – 22.000 Lämmer. Eine Ausweitung auf 25.000 bis 30.000 Tiere erscheint durchaus realistisch. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die hohen Qualitätsanforderungen der Abnehmer konsequent erfüllt werden: Gleichmäßige Partien, gute Mastleistungen und eine durchgehend hohe Produktqualität. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage breit gefächert und stabil. Lammfleisch findet längst nicht mehr nur bei traditionellen Konsumentengruppen Anklang. Begünstigt wird dieser Trend durch das positive Image von Lammfleisch als naturnahes, hochwertiges und gesundes Produkt regionaler Herkunft.

Erzeugerpreise legen zu
Diese spürbar steigende Nachfrage führt zu anziehenden Erzeugerpreisen und neuen Höchstwerten bei Qualitätslämmern. Die Versorgung erfolgt einerseits über lebende Qualitätslämmer des steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes. Andererseits bedienen die Weizer Schafbauern über die Weizer Genuss Manufaktur GmbH den Lebensmitteleinzelhandel, die Gastronomie sowie Lammfleisch-Liebhaber in ganz Österreich und darüber hinaus. Für die „Weizer Schafbauern“ setzt die Genossenschaft nun gezielte Impulse und führt neue, nach oben angepasste Preisstrukturen für Lammfleisch ein. Diese gelten ab 1. Juli 2026. Auch das Zahlungsziel wird deutlich auf 14 Tage verkürzt.

Schafmilch gefragt
Die Schafmilcherzeugung in der Steiermark bleibt ein kleines, aber lebendiges Marktsegment mit stabiler Entwicklung. Im Jahr 2025 wurden rund 2.000 Milchschafe gehalten, die zusammen etwa 836.000 Kilogramm Rohmilch lieferten. Ein beachtlicher Anteil davon verbleibt direkt in den Betrieben: Rund 390.000 Kilogramm werden am Hof selbst für die menschliche Ernährung genutzt, wobei insbesondere die Verarbeitung zu Käse eine zentrale Rolle spielt. Zugleich gelangen etwa 350.000 Kilogramm an Verarbeitungsbetriebe, allen voran an die Weizer Genuss Manufaktur GmbH. Dies unterstreicht die starke Einbindung der Schafmilch in regionale Wertschöpfungsketten und die wachsende Bedeutung dieser Spezialsparte.

Regionale Stärke
Gerade diese regionale Vernetzung rückt nun verstärkt in den Mittelpunkt. Vor allem die Zusammenarbeit zwischen der Weizer Schafbauern/Weizer Genuss Manufaktur und dem Steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverband wird durch regelmäßige Abnahme- und Lieferbeziehungen weiter gefestigt. 
Ziel ist es, die Nachfrage möglichst umfassend vor Ort zu bedienen und so viele Verarbeitungsschritte wie möglich – von der Erzeugung über die Schlachtung bis hin zur Veredelung – in der Steiermark zu halten. Dadurch gewinnt die gesamte Wertschöpfungskette rund um Lammfleisch und Schafmilch weiter an Stabilität, Transparenz und regionaler Stärke. Der eingeschlagene Weg zeigt bereits spürbare Erfolge. Ergänzend tragen auch weitere Leistungen wie Landschaftspflege, Almbewirtschaftung oder die Beweidung von PV-Flächen dazu bei, die Bedeutung der Schafhaltung zu festigen. Dadurch entwickelt sich die Sparte zunehmend zu einer wirtschaftlich interessanten Option – insbesondere für Betriebe, die mit vergleichsweise geringem Investitionsaufwand zusätzliche Einkommensquellen erschließen möchten.

Viel Platz am Markt
Schafmilch und Lammfleisch sind typische Nischenprodukte. Gleichzeitig belebt die Mi-
gration den Markt, obwohl nach wie vor ein beträchtlicher Anteil importiert wird – ein deutliches Wachstumszeichen. Bei Schaf- und Ziegenfleisch lag der Inlandsverbrauch im Jahr 2024 bei rund 9.162 Tonnen, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa einem Kilogramm entspricht. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei rund 83 Prozent, der Bedarf wird somit noch nicht vollständig gedeckt. Noch kleiner präsentiert sich der Markt für Schafmilch: Hier beträgt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch lediglich rund 0,3 Kilogramm, was die klare Nischenstellung dieser Produktgruppe unterstreicht. Insgesamt zeigt sich damit ein solides Nachfragepotenzial, bei dem regionale Herkunft und hochwertige Verarbeitung in bäuerlichen Betrieben entscheidende Faktoren bleiben, um Wertschöpfung zu sichern und die Eigenversorgung Schritt für Schritt weiter auszubauen.

Autor: Robert Schöttel

Schlüssel zum Erfolg: Genetik, Fütterung, Herdenmanagement

Die Nachfrage nach heimischem Qualitätslammfleisch ist seit Jahren stabil hoch, ebenso gewinnen Schafmilch-Produkte zunehmend an Bedeutung. Der wirtschaftliche Erfolg hängt jedoch nicht alleine von einer guten Marktlage ab. Entscheidend sind einige zentrale Knackpunkte in Produktion und Management, die entscheidend für Qualität und Wirtschaftlichkeit sind.

Fundament Genetik
Der wichtigste Erfolgsfaktor ist die Genetik. Besonders gefragt sind vollfleischige Qualitätslämmer im Alter von drei bis fünf Monaten mit einem Lebendgewicht von 40 bis 50 Kilogramm. Dafür braucht es leistungsfähige Muttertiere mit guter Fruchtbarkeit, hoher Aufzuchtleistung und vitalen Nachkommen. In der steirischen Qualitätslämmerprodukton haben sich asaisonale Berg- und Landschafrassen wie das Jura- oder Merinolandschaf bewährt. Durch gezielte Anpaarung mit Fleischrassen lassen sich Fruchtbarkeit und Fleischleistung optimal kombinieren. 

Schafmilch
In der Schafmilchproduktion bildet das Lacauneschaf aufgrund seiner hohen Milchleistung die wichtigste Grundlage. Konsequente Zuchtarbeit schafft die Basis für langfristigen Erfolg.

Leistung durch Fütterung
Selbst die beste Genetik kann ihr Potenzial nur bei optimaler Fütterung ausschöpfen. Hochwertiges Grundfutter ist die Grundlage. Besonders in der Lämmeraufzucht ist eine bedarfsgerechte Kraftfutterergänzung wichtig. Vor allem in den letzten Wochen vor der Vermarktung beeinflusst die Fütterung die Mastleistung, Fleischigkeit und Schlachtkörperqualität. Auch bei Milchschafen wirkt sich die Futterqualität direkt auf Milchmenge und Inhaltsstoffe aus. Leistungsangepasste Rationen, eine ausreichende Energieversorgung und gleichbleibend hohe Futterqualität zählen daher zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Gesundheit
Ein Knackpunkt ist die Tiergesundheit. Gesunde Tiere erzielen höhere Leistungen, verursachen geringere Kosten und sind Grundlage für wirtschaftliche Produktion. Mit steigenden Herdengrößen gewinnen Tierbeobachtung und professionelles Herdenmanagement an Bedeutung. Parasitenbelastung sowie Probleme rund um Geburt und Lämmeraufzucht können die Wirtschaftlichkeit erheblich beeinträchtigen. Tierseuchen stellen eine zunehmende Herausforderung dar. Gegen die Blauzungenkrankheit ist Vorbeuge wichtig. Neben der Impfung kann auch ein entsprechender Versicherungsschutz zur Absicherung des Betriebes beitragen. Regelmäßige Gesundheitskontrollen und eine gezielte Parasitenstrategie sind unverzichtbar.

Einfacher Stall
Die Schafhaltung punktet mit niedrigen Investitionskosten. Bestehende Wirtschaftsgebäude können häufig mit überschaubarem Aufwand angepasst werden. Wichtig sind trockene, helle und gut belüftete Ställe sowie eine zuverlässige Wasserversorgung. Vor allem Nebenerwerbsbetrieben und Quereinsteigern bietet die Schafhaltung gute Chancen.

Photovoltaik
Schafe leisten einen wichtigen Beitrag zur Offenhaltung von Steilflächen, Almen und extensiven Grünlandstandorten. Gleichzeitig entstehen durch den Ausbau von Photovoltaik-Freiflächenanlagen neue Einsatzmöglichkeiten. Die Beweidung ermöglicht eine kostengünstige Vegetationspflege und zusätzliches Einkommen.

Autor: Michael Zeiler

Schafhaltung muss nicht immer Nebenerwerb sein

120 Lacaune-Schafe melkt Anneliese Wild auf ihrem Hof in Gutenberg. Sie ist zwar nicht von Anfang an, aber dennoch schon seit über 25 Jahren bei den Weizer Schafbauern dabei. „Damals, mit den kleinen Kindern, ging es sehr darum, den Arbeitsplatz zu Hause zu schaffen“, erinnert sich die engagierte Schafbäuerin, die heute auch im Vorstand der Weizer Schafbauern ist. Ihr Sohn Florian ist mittlerweile für die Außenwirtschaft verantwortlich. Um Stall, Haus und Hof kümmert sich Anneliese meist alleine. „Von Mitte Juli bis Mitte September ist Babypause im Stall. Aber im Herbst, wenn die Lämmersaison losgeht, dann müssen alle Hände zusammenhelfen.“ Neben den Milchschafen hat sie auch 30 Jura-Mutterschafe für die Lammfleischproduktion. Nach schwierigen Jahren bei den Weizer Schafbauern ist sie jetzt wieder optimistisch: „Der Trend ist da, aber wir bleiben ein Nischenprodukt. Niemand kauft in Österreich Schafmilchprodukte für den täglichen Bedarf, sondern als etwas Besonderes. Jeder Griff ins Regal ist ein Zeichen der Wertschätzung.“

Erfolgreicher Zuchteinstieg
Erst seit 2021 Schafbauern sind Julia und Hans-Peter Flicker aus St. Katrein am Offenegg. Der sehr steil gelegene Betrieb hatte mit den Trittschäden der Mutterkühe zu kämpfen. In seiner Meisterarbeit klügelte Hans-Peter die Umstellung auf die Lämmerproduktion aus. Der neue, mit einem Anerkennungs-Baupreis der Landwirtschaftskammer ausgezeichnete Stall hat eine neue Ära eingeläutet. „Wir haben rund 100 reinrassige Jura-Mutterschafe und sind Bio. Wir planten eigentlich die Zucht nur nebenbei zu betreiben. Doch die Nachfrage war so groß, dass dies jetzt sogar wichtiger geworden ist, als die Lämmermast“, lässt Julia Flicker wissen. Konkret sind bereits die ungeborenen Lämmer verkauft. Zwei Widder laufen mit der Jura-Herde mit, um die sich Hans-Peter kümmert. Bei der Heuernte packt sie kräftig an: „Ich fahre mit dem Heukran und mähe mit dem Motormäher.“

Aus meiner Sicht: Johann Wagner, Schafbauer, Geschäftsführender Obmann Weizer Schafbauern

Die Genossenschaft der Weizer Schafbauern, die seit 1995 Schafbauernfamilien vor allem aus Weiz und Umgebung vereint, blickt mit großer Zufriedenheit auf die vergangenen Jahre zurück.  Mittlerweile besteht unsere Genossenschaft aus rund 300 Schafbauern unterschiedlicher Betriebsgrößen. Teils sind es Vollerwerbsbetriebe, bei denen Schafe gemolken und Lämmer gemästet werden. Es sind aber auch Betriebe, die im Nebenerwerb Schafe halten und Lämmer mästen. Vergleichsweise geringe Investitionskosten, das gute Image der Schafhaltung und die sichere Abnahme sind Vorteile für uns. Auch wenn die Vergangenheit herausfordernd war, haben uns der Zusammenhalt in der Genossenschaft und der gemeinsame Wille weiterzumachen, sehr gestärkt. Das hat dazu geführt, dass wir Partner auf Augenhöhe für eine sichere Zukunft gefunden haben. Zu Jahresbeginn 2026 wurde der Verarbeitungs- und Vermarktungsbetrieb der Weizer Schafbauern vom Fleischhof Raabtal übernommen und wird seither als Weizer Genuss Manufaktur GmbH geführt. Für uns Schafbauern ist das eine sehr positive Entwicklung, da wir uns auch weiterhin voll auf unsere Höfe, die Lämmermast und die Schafmilchproduktion fokussieren können, während der Betrieb weiter optimiert und professionell in eine nachhaltige Zukunft geführt wird. Die enge Zusammenarbeit mit der Weizer Genuss Manufaktur GmbH ist eine ganz besondere – unsere landwirtschaftlichen Produkte werden zu attraktiven Konditionen ganzjährig sicher abgenommen, vor Ort verarbeitet, vermarktet und prämiert. Die große Nachfrage am (über-)regionalen Markt spornt uns an, auch die Verfügbarkeit regional abzusichern – daher sind wir enger zusammengewachsen: unser gemeinsames Ziel des steirischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes, der Weizer Schafbauern und der Weizer Genuss Manufaktur ist ganz klar: wir werden die regionale Schafhaltung weiter etablieren und Potenzial auch für die nächsten Generationen bieten.
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