Ohne Nutzung keine Speicherkraft
Seit Beginn der internationalen Klimaberichterstattung durch den Weltklimarat (IPCC) im Jahr 1990 hat kein anderer Wirtschaftssektor in Österreich in vergleichbarem Ausmaß zur Entlastung der Atmosphäre beigetragen, wie Wald und Holz. Durch die Speicherung von Kohlenstoff im Wald, die langfristige Bindung in Holzprodukten und die Substitution fossiler Energieträger wurde zwischen 1990 und 2024 eine kumulierte Klimawirkung von rund 886 Millionen Tonnen CO2 -Äquivalent (CO2 -eq) erzielt. Laut Berechnungen von Kasimir Nemestothy (LKÖ) beläuft sich der monetäre Wert der CO2 -Senke im Forst bei 375 Millionen Tonnen CO2 -Äquivalent und einem Ansatz von 150 Euro pro Tonne auf rund 56 Milliarden Euro. Damit wird deutlich, dass der Forstsektor nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich einen maßgeblichen Beitrag leistet.
Kohlenstoff-Speicher Wald
Österreich ist ein waldreiches Land, ganz voran die Steiermark, die mit 61 Prozent der Landesfläche bewaldet ist. Die nachhaltige Bewirtschaftung hat in den vergangenen Jahren zu einem kontinuierlichen Aufbau des Holzvorrates auf Rekordniveau geführt. So hat die Waldfläche in den letzten 60 Jahren um 300.000 Hektar zugenommen. Das ist mehr als die Fläche von Vorarlberg. Im gleichen Zeitfenster hat der Holzvorrat um 394 Millionen Festmeter zugelegt und es hat sich eine beachtliche Menge von 1,174 Milliarden Vorratsfestmeter in den Wäldern aufgebaut. Erstmalig seit Beginn der Messungen steigt der Holzvorrat im Wald nicht weiter. Der Grund liegt in einer Überalterung von Waldbeständen, einem höheren Schadholzanfall, einer Steigerung des Laubholzanteils und einer Zunahme von Aufforstungsflächen und damit junger Bestände.
Häufiger Denkfehler
Was jedoch einen Denkfehler darstellt: Wachstum darf nicht mit Vorrat und Umsatz nicht mit Kapital verwechselt werden. Die allgemeine Betriebswirtschaftslehre zeigt, dass nachhaltiges Wachstum ein strategisches Bestandes-Management erfordert: Zu hohe Vorräte binden Kapital, zu geringe Vorräte gefährden die Lieferfähigkeit. Übertragen auf die Kohlenstoffspeicherung gilt dasselbe Prinzip. Maßgeblich für die Klimawirkung ist der durchschnittliche Kohlenstoffvorrat über große Flächen hinweg und lange Zeiträume, nicht wie schnell Kohlenstoff durch das System fließt. Wachstum, Produktion und Befüllung des Systems mit Kohlenstoff (Sequestrierung) sind Prozesse und als solche Teil des Umsatzes, zu dem die Holzernte und auch die Mortalität gehören. Wälder nehmen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren am meisten CO2 auf. Mit zunehmendem Alter nimmt die Senkenleistung ab. Zusammengefasst lautet die logische Schlussfolgerung daher: Nutzen und Speichern. Das stellt eine Grundregel in der Debatte um die Bedeutung des Waldes bei Kohlenstoffkreisläufen dar.
Bauen mit Holz ist Klimaschutz
Die positive Klimawirkung von Holz endet nicht mit der Ernte von Bäumen. Im Gegen- teil: Holzprodukte fungieren über Jahrzehnte zusätzlich zum Wald als langfristige CO2 Speicher. Der Klimafolgenforscher Hans Joachim Schellnhuber bringt es auf den Punkt: „Wir entnehmen über die nachhaltige Waldwirtschaft der Atmosphäre aktiv CO2 und speichern dieses in langlebigen Gebäuden und Infrastrukturen ein. Über die nächsten 200 Jahre können wir so das Klima reparieren.“ Schellnhuber bezeichnet die Verbindung von nachhaltiger Forstwirtschaft und moderner Holzbauweise als „Wald-Bau-Pumpe“. Besonders im Gebäudesektor ist dieser Effekt von großer Bedeutung. Durch die Substitution emissionsintensiver Baustoffe können hier – zusätzlich zur Bindung im Holz – erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen vermieden werden.
Holz als Bioenergiemotor
Die Substitution fossiler Energieträger durch Holzbiomasse ist ein zentraler Pfeiler der österreichischen Energiewende. Von den erneuerbaren Energieträgern nimmt die Biomasse mit 48 Prozent den höchsten Anteil ein. Davon entfallen auf Holzbrennstoffe knapp 80 Prozent. Holz ist damit der wichtigste erneuerbare Energieträger des Landes. Rund zehn Prozent des gesamten Bruttoinlandsenergieverbauchs in Österreich werden durch Biomasse gedeckt.
Nachhaltige Bewirtschaftung
Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zur Minderung des Klimawandels. Senken-und Substitutionsleistung sind jedoch keine Selbstläufer. Klimawandel, Extremwetterereignisse, Schädlingsbefall und veränderte Wachstumsbedingungen stellen die Wälder und damit die Waldbewirtschafter zunehmend vor Herausforderungen. Eine nachhaltige, klimafitte Waldbewirtschaftung ist daher entscheidend, um die Speicherwirkungen und die wichtigen Waldfunktionen langfristig zu sichern. Die nachhaltige Bewirtschaftung hoher Holzvorräte und ein aktiver Waldumbau erhöhen die Stabilität und Resilienz der Waldökosysteme gegen biotische und abiotische Schadereignisse. Gleichzeitig wird der laufende Holzzuwachs gefördert und das potenzielle C-Speichervolumen aufrechterhalten und kontinuierlich erneuert.