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Schweinebauern in großer Not

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29.10.2026 | von LK Steiermark

Präsident Andreas Steinegger fordert gemeinsam mit Schweinebauern-Obmann Josef Kaiser ein Zukunftspaket

Schweinebauer © LK Steiermark/Danner
Sehr angespannt ist die wirtschaftliche Situation der heimischen Schweinebäuerinnen und Schweinebauern © LK Steiermark/Danner
Die Marktpreise für die Schweinebauern sind in den vergangenen Wochen regelrecht eingebrochen. Erschwerend kommt dazu, dass die Schweinepreise schon seit einem Jahr auf einem sehr niedrigen Niveau sind. Nun sind sie mit 1,35  Euro pro Kilo auf dem bisherigen Tiefststand – weit entfernt von einer rentablen Produktion. „Die wirtschaftliche Situation vieler Ferkelhalter und Schweinemäster hat sich in den vergangenen Monaten massiv verschlechtert. Nun droht die Gefahr, dass die sichere heimische Versorgung mit Qualitätsschweinefleisch auf dem Spiel steht“, schildert Präsident Andreas Steinegger die prekäre Situation. 

Zukunftspaket
Die Schweinekrise spitzt sich zudem weiter zu, weil für die höheren gesetzlichen Standards in den nächsten Jahren kräftige Investitionen anstehen – allein in der Steiermark 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro. „Dieses Geld kann aber aufgrund der Preismisere nicht verdient werden“, betont Steinegger. Für ihn steht fest: „Die heimischen Ferkelhalter und Schweinemäster brauchen wieder Perspektiven. Für eine Trendumkehr ist unser Zukunftspaket umzusetzen.“

Limit ist erreicht
Die heimischen Betriebe können mit wiederkehrenden Tiefpreisphasen professionell umgehen. „Doch jetzt sind die 3.700 Betriebe am Limit“, schlägt Josef Kaiser, Obmann der Styriabrid, Alarm. Er nennt vier Hauptursachen der aktuellen Krise:
  • Der massive Preisdruck wegen der Überproduktion in Spanien und Dänemark – Österreich wird mit Billigstschweinefleisch aus diesen Ländern geflutet. Spanien als unerreicht größter EU-Schweineproduzent ist wegen der Afrikanischen Schweinepest für China gesperrt.
  • Österreich betreibt in der Schweinehaltung Gold Plating. Laufend steigen die gesetzlichen Haltungsanforderungen – die Millionen-Investitionen dafür können die Schweinebauern nicht mehr refinanzieren.
  • Die rasant steigenden Produktionskosten: Diesel ist um fast satte 30 Prozent teurer geworden, die Düngemittelpreise um 23 Prozent. Der Preissprung bei Strom liegt bei 77 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Durch Dürre fehlt den Betrieben das Eigenfutter – sie müssen folglich Futter teuer zukaufen.
  • Das Wachstum bei Tierwohlfleisch inklusive Bio ist mit sechs Prozent erschöpft – der Handel schließt gar keine neuen Verträge mehr ab.

Ausgetauscht
„Seit Jahresbeginn haben fleischverarbeitende Betriebe, darunter die Wursthersteller, rund 40 Prozent des heimischen Schweinefleisches durch ausländische Billigstware mit niedrigeren Tierwohlstandards ersetzt – dieser schleichend steigende Austausch heimischen Qualitätsfleisches durch ausländische Billigware bleibt den Konsumenten verborgen – sie werden im guten Glauben gelassen, dass es sich um heimische Wurst handelt“, kritisiert Raimund Tschiggerl, Geschäftsführer der Styriabrid und der Österreichischen Schweinebörse. „Das muss ein Ende haben – es muss wieder mehr Österreich und mehr Tierwohl in die Wurst hinein. Der europäische Verdrängungswettbewerb dürfe nicht so funktionieren, dass das steirische Schwein nur mehr als „Schmankerllieferant“ für die Edelteile übrig bleibt. Es sei zuwenig, dass nur ein Drittel des Schweins in Österreich vermarktet werden könne, zwei Drittel nicht. So erklärt sich auch, warum vielfach die Schlachtschweine nicht mehr abgeholt werden. In der Folge trifft das auch die Ferkelhalter: Sie bringen teils ihre Ferkel nicht mehr an, weil die Schlachtpreise für die Mäster nicht kostendeckend sind. Zudem fehlt ihnen durch die Dürre ein Teil des Futters, sodass teuer zugekauft werden müsste. Einen flammenden Appell richtete Tschiggerl auch an die Gastronomie, die Herkunft des „Fleisches unter der Panier“ auf der Speisekarte zu kennzeichnen. Spürbar mehr Billigstfleisch werde in der Gastronomie verwendet.

„An unseren Grenzen“
„Das heurige Jahr bringt uns an unsere finanziellen und emotionalen Grenzen: Die Futterkosten sind stark gestiegen, die Dürre hat uns die halbe Futterernte vernichtet, die Dieselkosten sind explodiert – und das bei diesen extrem schlechten Marktpreisen“, schildert Ferkelhalterin Elisa Neubauer aus St. Peter/Ottersbach die dramatische Situation. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie den Betrieb mit hohem Gesundheitsstatus und hohen Ferkelzahlen sehr effizient. Neubauer: „Wir brauchen am Schweinemarkt wieder Impulse und unsere Arbeit muss auch wieder honoriert werden. Zurzeit ist es so, als würden wir in die Arbeit gehen und keinen Lohn dafür erhalten.“

Simone Schmiedtbauer, Steirische ­Agrarlandesrätin

"Wir wollen in der EU endlich eine Angleichung der europäischen Tierschutzstandards, um vergleichbare Wettbewerbsbedingungen zu haben. Weiters eine flächendeckende und einheitliche Herkunftskennzeichnung."

Andreas Steinegger, Präsident LK-Steiermark

"Wer höhere Standards fordert, der muss auch für die Finanzierbarkeit sorgen. Daher brauchen die Schweinebauern bis 2034 eine attraktive und ausreichend dotierte Investitions-Förderung sowie höhere Förderobergrenzen."

Elisa Neubauer, ­Ferkelhalterin, St. Peter am Ottersbach

"Ich bin grundsätzlich Optimistin, doch das heurige Jahr bringt uns an unsere finanziellen und emotionalen Grenzen. Die anstehenden verpflichtenden Tierwohl-Investitionen und die Ungewissheit sind kein Ansporn."

Maria Pein, Vizepräsidentin ­Landwirtschaftskammer

"Ich finde es beschämend, dass immer mehr Tierwohl gefordert wird, aber viele nicht bereit sind, für Tierwohlfleisch mehr zu bezahlen. In der EU müssen gleiche, nicht jedoch wettbewerbsverzerrende Haltungsstandards gelten."

Zukunftspaket für Schweinebauern

  1. Schluss mit Gold Plating
    Die ständig höheren gesetzlichen Anforderungen in Österreich führen zu Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU. Höhere Standards müssen auch in den anderen europäischen Ländern gelten. 
  2. Attraktive und ausreichend dotierte ­Investitionsförderung bis 2034
    Wer höhere Standards in der Schweinehaltung fordert, muss auch dafür sorgen, dass die Betriebe diese finanzieren können. Die Fördersummen müssen an die hohen Investitionssummen angepasst und die Förderobergrenzen erhöht werden.
  3. Tierwohl-Stallumbauten – einfache und unbürokratische Genehmigungen
    Müssen Schweinebauern ihre Ställe – aufgrund neu vorgeschriebener höherer gesetzlicher Standards – umbauen, dann muss dieser Umbau bei gleichbleibenden Emissionen auch schnell und unbürokratisch erfolgen können.
  4. Heimische Qualität nicht ­austauschen: Klares Bekenntnis aller ­Marktakteure zu ­heimischem Schweinefleisch
    Diese Forderung geht an die Lebensmittelverarbeiter, den Lebensmittelhandel, die Gastronomie und Bevölkerung. Durch das anhaltende Preistief erfolgt ein schleichender Austausch von heimischem Qualitätsschweinefleisch durch ausländische Billigstware. Vor allem in Wurstwaren und anderen Verarbeitungsprodukten ist ausländisches Schweinefleisch nicht sichtbar.
  5. Flächendeckende und einheitliche ­Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie
    Ohne klare Herkunftskennzeichnung bleibt österreichisches Schweinefleisch in der Gastronomie unsichtbar. Deshalb braucht es eine flächendeckende und einheitliche Herkunftskennzeichnung auf der Speisekarte. Die Herkunft muss auf einen Blick erkennbar sein.

Wir bangen um ­unsere Zukunft

Wir Bauern kennen den Schweinezyklus. Wir wissen, dass auf gute Jahre schwierige folgen. Doch was wir derzeit erleben, ist mehr als ein gewöhnliches Markttief. Bei 1,35 Euro je Kilo Schweinefleisch stehen viele Betriebe wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Gleichzeitig steigen Diesel- und Düngerkosten, die Dürre hat das Futter knapp und teuer gemacht. Besonders bitter ist, dass österreichisches Schweinefleisch zunehmend durch billigere Importware verdrängt wird – selbst in Produkten, die sich mit rot-weiß-roter Aufmachung schmücken. Was nützt dem Konsumenten die österreichische Fahne auf der Wurst, wenn die Herkunft des Fleisches verborgen bleibt? Wer heimische Qualität verspricht, muss auch heimische Rohstoffe einsetzen oder ehrlich kennzeichnen, woher sie kommen. Auch beim Tierwohl wächst der Widerspruch. Von uns Bauern werden laufend höhere Standards verlangt. Wir sind bereit, unsere Haltung weiterzuentwickeln. Aber wer bezahlt die notwendigen Stallumbauten, wenn die Märkte nicht einmal die laufenden Kosten decken? Allein in der Steiermark stehen Investitionen von Hunderten Millionen Euro im Raum. Zugleich stagniert der Absatz von Tierwohlfleisch. Wünsche allein bezahlen keinen Stall. Wir brauchen deshalb faire Wettbewerbsbedingungen statt österreichischer Sonderwege, ausreichend hohe Investitionsförderungen und rasche, praktikable Genehmigungen. Vor allem aber brauchen wir eine klare Herkunftskennzeichnung, auch in Gastronomie und Verarbeitung. Und wir brauchen Abnehmer, die nicht bei der ersten Preisbewegung heimisches Fleisch gegen die billigste Alternative austauschen. Es geht längst nicht mehr „nur“ um den Schweinepreis. Es geht um 3.700 bäuerliche Betriebe, regionale Arbeitsplätze und die Frage, ob Österreich auch morgen noch ausreichend Schweinefleisch aus eigener Landwirtschaft erzeugen kann. Wer regionale Lebensmittel will, muss dafür sorgen, dass die Bauern, die sie produzieren, wirtschaftlich überleben.

Josef Kaiser, Schweinebauer und Obmann Styriabrid

Chefverhandler Raimund Tschiggerl: „Der Schweinemarkt ist nichts für schwache Nerven“

Über die Preismisere am Schweinemarkt sprach Rosemarie Wilhelm mit Raimund Tschiggerl, Geschäftsführer der Styriabrid und der Österreichischen Schweinebörse.

Die Stimmung in der Schweinebranche ist so schlecht wie nie zuvor. Waren die kräftigen Preisrückgänge notwendig?
RAIMUND TSCHIGGERL: In Österreich haben wir versucht, den Preisrückgang so lange wie möglich hinauszuzögern. Aufgrund dessen haben wir einen der höchsten Schweinepreise in Europa. Die letzten Preisrückgänge waren jedoch nicht mehr zu verhindern, weil mehr Schweine auf den Markt gedrängt sind – wir wären Gefahr gelaufen, die Schweine überhaupt nicht mehr auf den Haken zu bringen.

Wie kommt der Schweinepreis zustande?
Für die Mitgliedsbetriebe der Österreichischen Schweinebörse wird der Preis jeden Mittwoch um 15 Uhr mit den fünf namhaftesten Schlachthöfen Österreichs ausverhandelt. Da laufen Telefon- und Videokonferenzen – dann gibt es eine Einigung oder keine. Heuer konnten wir uns sehr häufig nicht einigen. Das hatte zur Folge, dass uns Schweine wieder zurückgegeben und nicht geschlachtet wurden.

Das bedeutet, dass Schweine teils gar nicht mehr abgeholt werden?
Ja, das läuft teils schon einige Wochen so. Mit ein Grund ist, dass die Tiere im Herbst schneller wachsen, und wir im Schweinezyklus sind. Zudem belasten uns die Feiertage, wie der Nationalfeiertag. Da fehlen in einer Woche oft Schlachtkapazitäten von 20 Prozent.

Wie kann man sich eine Preisverhandlung konkret vorstellen?
Wir nehmen unsere Marktverantwortung sehr ernst. Es gilt, für die Schweinebauern das Maximale herauszuholen. Gleichzeitig stehen wir unseren Abnehmern gegenüber, die auch vermarkten müssen. Das ist Woche für Woche eine Gratwanderung und in Zeiten wie diesen umso mehr.

Welche Rolle spielt aktuell der Schweinezyklus?
Wir wissen sehr genau wie der Markt tickt – gibt es Übermengen, gibt es Entspannungsmärkte, welcher Artikel wird wann nachgefragt, wann wird das Sortiment ausgetauscht. Beim Schweinezyklus stehen wir jetzt ganz unten. Alle zwei bis fünf Jahre haben wir so ein Tief.

Wann ist zu rechnen, dass die Kurve wieder nach oben geht?
Diese Krise ist schon etwas Besonderes, weil wir die vergangenen Male über Billigstpreise wieder Märkte bedienen konnten. Diesmal aber gibt es keine Entspannung über Exportmärkte. Die Krise wird länger dauern und sich bis ins Frühjahr hinausziehen ...

... auch wegen der Überproduktion in Spanien und Dänemark?
Der aktuelle Schweinemarkt ist ein rein europäisches Problem. Diese Länder können nicht exportieren, sie sind gezwungen, ihre Übermengen um jeden Preis in Europa abzusetzen, was diesen wirklich brutalen Preiskampf bewirkt.

Wer sind die Profiteure dieses Verdrängungswettbewerbs?
Selbst jene Fleischverarbeiter, die uns bis jetzt die Stange gehalten haben, kommen zunehmend unter Druck. Das war auch der Grund, warum wir uns bei den aktuellen Preisverhandlungen nicht zu weit vom EU-Markt entfernen durften, um nicht jene zu bestrafen, die heimische Ware noch abnehmen.

Beim Tierwohl betreibt Österreich Gold Plating. Ihre Meinung?
Wir stehen zum Tierwohl und erwarten, dass Europa schlussendlich doch noch nachziehen wird. Unser Problem ist, dass wir höhere Standards haben, aber uns die Abnehmer noch nicht folgen.

Was wäre somit notwendig?
Ich fordere glasklar, dass alle Verarbeitungsbetriebe, die mit rot-weiß-roten Fähnchen Österreich suggerieren, gezwungen werden, österreichisches Fleisch in die Wurst zu geben. Ebenso ist in der Gastronomie die Herkunft „unter der Panier“ zu kennzeichnen!

Nachdem China kaum mehr importiert: Wo liegen die künftigen Exportmärkte?
In Europa und in Österreich werden wir eher die Edelteile vermarkten. Mit Nebenprodukten wie Füßen, Ohren und Bäuchen wollen wir Asien weiter beliefern. Selbst der Bundeskanzler reist nach China und unterstützt uns. Gleichzeitig arbeiten wir über die Schweinebörse mit der BvZert zusammen, die beim Export in Drittstaaten uns zum Beispiel bei den notwendigen Gesundheitszertifikaten hilft. Unser nächstes Exportziel ist Mexiko als aktuell größter Schweinefleischimporteur. Zudem halten wir ständig Ausschau nach neuen Märkten.

Wann wird sich der Markt beruhigen?
Es ist momentan nicht abschätzbar. Die Schweinezyklen zuvor zeigten uns immer wieder: Der Markt dreht sich oft sehr, sehr rasch. Aufgrund der hohen Schweinefleischmengen am Markt können wir heuer nicht auf das große Weihnachtsgeschäft hoffen, zumal die Schlachthöfe und Abnehmer aus dem Vollen schöpfen können – die Kühlhäuser sind leider voll. Zudem kommt, dass der Jänner in der Vermarktung traditionell immer schwierig ist. Wir werden aber im kommenden Jänner erstmals spüren, dass die Schweinemengen zurückpendeln. Ich erwarte, dass die Märkte im Frühjahr 2027 wieder zu fließen beginnen. Eines traue ich mich auf alle Fälle behaupten: Geht es nach dem Schweinezyklus wird der nächste Sommer für die Schweinebranche sonnig werden.
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