Milchmarkt 2026 – Hohe Mengen prägen den Markt
Mengen bleiben hoch
Im ersten Halbjahr hielten die expansiven Tendenzen in der Milchanlieferung nahezu flächendeckend an. Von Jänner bis April wurden in der EU rund 51 Millionen Tonnen Milch angeliefert. Damit wurde ein neuer Höchstwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 2,1 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Österreichs Landwirte lieferten im gesamten Vorjahr rund 3,6 Millionen Tonnen Milch an die Molkereien. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Polen und Italien. Gleichzeitig bleiben die Gehalte an Milchfett und Eiweiß auf hohem Niveau. Dadurch steht zusätzlich mehr Rohstoff für die Verarbeitung zur Verfügung. Auch in Österreich wurde die Milchanlieferung in den ersten sechs Monaten deutlich ausgeweitet. Laut AMA lag die Anlieferung über dem Vorjahresniveau. Im Juni verzeichneten die Verarbeitungsbetriebe noch ein Übernahmeplus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Mittlerweile setzt der für die Jahreszeit typische saisonale Rückgang ein.
Höhepunkt bei Wachstum?
Nationale und internationale Marktbeobachter erwarten, dass sich das Produktionswachstum in der zweiten Jahreshälfte abschwächt. Gründe dafür sind die deutlich gestiegenen Produktionskosten, geringere Margen und die anhaltende Hitzeperiode in weiten Teilen Europas. Die Trockenheit führt regional zu erheblichen Einbußen bei den Futtervorräten. Gleichzeitig belastet Hitzestress die Milchleistung und kann die Tiergesundheit beeinträchtigen. Wie stark sich diese Faktoren tatsächlich auf das Milchaufkommen auswirken werden, bleibt abzuwarten.
Wo die Milch hinfließt
Die hohen Milchmengen der vergangenen Monate wurden vor allem zu lagerfähigen Produkten wie Butter, Magermilchpulver und Käse verarbeitet. Besonders die Butter- und Pulvermärkte reagieren empfindlich auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage, was zu stärkeren Preisschwankungen führt. Vor diesem Hintergrund gewinnt Käse für die Wertschöpfung zunehmend an Bedeutung. Er zählt zu den wichtigsten Exportprodukten der österreichischen Milchwirtschaft. Der anhaltende Proteintrend eröffnet zudem bessere Vermarktungsmöglichkeiten für höherwertige Produkte wie Käse und Molkeprodukte als für Standardprodukte. Diese Entwicklung dürfte sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.
Wie geht es weiter?
Für den weiteren Verlauf des Jahres ist weiterhin mit einem hohen Milchaufkommen zu rechnen. Hohe Produktionskosten, sinkende Margen und extreme Wetterereignisse dürften das Wachstum jedoch bremsen. Die große Rohstoffverfügbarkeit übt weiterhin Druck auf die Preise aus. Gleichzeitig sorgt die stabile Nachfrage nach Käse und Proteinprodukten für eine gewisse Marktstabilität. Für die heimischen Milchviehbetriebe stehen die Kostenentwicklung sowie die Auswirkungen der enormen Trockenheit im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung der kommenden Monate.
Die Molkerei-Obmänner im Interview
| Die Landwirtschaftlichen Mitteilungen sprachen mit den Verantwortlichen aller in der Steiermark tätigen Molkereien | Johann Loibner, Vorstandsmitglied der Berglandmilch | Jakob Karner, Obersteirische Molkerei (OM) | Andreas Radlingmaier, Aufsichtsratsvorsitzender Ennstal-Milch | Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der Milchgenossenschaft NÖ (MGN) |
| Wie beurteilen Sie aktuell die wirtschaftliche Situation am Milchmarkt, welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie derzeit für die österreichische Milchwirtschaft? | Wir rechnen damit, dass aufgrund der europaweiten Trockenheit die Milchmenge geringer wird und in der Folge die Preise anziehen. Seit 1. August bezahlt die Berglandmilch 44 Cent netto für Premiummilch und entsprechende Aufschläge für höhere Qualitätsstufen – bei Bio 12,8 Cent. | Der Aufschwung kommt bei deutlich weniger Anlieferung. Hat zudem die Dürre so dramatische Folgen wie kolportiert, werden die Mengen zurückgehen und der Preis steigen. Das könnte mit Jahresende so sein. Derzeit zahlen wir für Premiummilch 42,5 Cent netto; Zuschläge: Bio 15,69 Cent; Bioheumilch: 20,80 Cent netto. | Die Lage war die vergangenen Monate sehr schwierig, aber wir sind vorsichtig optimistisch, mit Oktober höhere Preise erzielen zu können. Derzeit zahlen wir 44 Cent netto, der Bio-Zuschlag beträgt 11,8 Cent. Durch unsere Spezialitäten-Ausrichtung hat es uns nicht ganz so hart getroffen. | Die Dürre ist ein extremes Problem, sie drückt auf die Liquidität der Lieferanten. Es ist unausweichlich, beim Handel Preiserhöhungen durchzusetzen. Die Bauern brauchen dringend bessere Preise. Aktuell bezahlen wir 44 Cent netto für österreichische Premiumqualität. Der Biozuschlag liegt bei 10,5 Cent netto. |
| Mit welchen Strategien reagiert Ihre Molkerei auf die Veränderungen am Markt, insbesondere auf steigende Qualitätsanforderungen, Nachhaltigkeitsthemen und den internationalen Wettbewerb? | Wir investieren ständig in modernste Produktionsanlagen und setzen dabei auf Nachhaltigkeit, etwa mit Wärme aus Hackschnitzeln und moderner Abwasserreinigung. Auf Veränderungen in der Nachfrage reagieren wir mit Produktinnovationen. | Wir sind in intensiven Gesprächen mit der Berglandmilch, um eine gemeinsame Lösung für die Zukunft zu finden. (Siehe Seite 8, oben) | Nachhaltigkeit spielt bei uns schon lange eine große Rolle. Das hilft uns bei dem einen oder anderen Kunden schon, wenn er sieht, dass sich dieser Anspruch durchs ganze Unternehmen zieht. Vor allem unsere Cartocan-Linie ist sehr umweltfreundlich. | Wir stellen uns täglich den Herausforderungen, um am Markt erfolgreich zu sein. Unser Sortiment haben wir stark an den Eiweißtrend angepasst. Hier sind wir Vorreiter in Europa. Wichtig ist, die Trends als erster Anbieter zu erkennen. Ich bin überzeugt, dass die Protein-Welle langfristig bleibt. |
| Proteinreiche Lebensmittel sind im Trend. Wie wichtig ist dieser Protein-Boom für die Vermarktung und was empfehlen Sie Milchviehbetrieben, um langfristig erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben? | Milch ist ein Nahrungsmittel, das diesem Trend sehr entspricht. Sie ist gesund und von Natur aus sehr proteinreich. Vor allem Käse, Frischkäse, Joghurt oder Kefir, um nur ein paar Beispiele zu nennen. | Momentan herrscht am Markt ein Proteinhype vor. Das Lebensmittel Milch hat alle Voraussetzungen, um die Konsumenten mit natürlichem und wertvollem Eiweiß zu versorgen. Wir sehen darin eine große Chance für den künftigen Milchabsatz. Käse ist von Natur aus ein gesunder und wertvoller Eiweißlieferant | Der Trend ist auf jeden Fall spürbar, speziell bei Getränken. Unter dem Stichwort „High Protein“ bleiben wir bei der Produktentwicklung drauf. Der Trend ist generell für die Molkereiwirtschaft sehr positiv. | Der Proteinhype ist ein sehr wichtiges Geschäftsfeld für unser Unternehmen. Den Milchbäuerinnen und Milchbauern rate ich, die Kuhzahl mit der Flächenausstattung in Einklang zu halten. Dann sind so schwierige Jahre wie heuer zu überstehen. Nachhaltig wachsen ist einfach der bessere Weg. |
| Welchen konkreten Rat würden Sie einem österreichischen Milchviehbetrieb geben, um sich für die zukünftigen Anforderungen des Marktes bestmöglich aufzustellen? | Am wichtigsten ist, Rohmilch höchster Qualität zu produzieren. Und wenn Ställe erneuert werden, konsequent das Tierwohl fördern. | Wir haben in den vergangenen Jahren erlebt, dass der Milchmarkt Preisschwankungen unterliegt. Dieses Risiko sollte bei der Weiterentwicklung des Betriebes und bei Investitionen besonders im Fokus sein. Wer die Betriebszahlen kennt, kann mit diesem Risiko besser umgehen. | An die Zukunft der Branche glauben – die Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf diese bei uns ökologisch nachhaltig produzierte Eiweißquelle zu verzichten. Dennoch nicht zu große Risiken eingehen: Nicht den größtmöglichen Entwicklungsschritt setzen, sondern lieber auf der sicheren Seite bleiben. | Entscheidend ist, das Wachstum auf die vorhandene Fläche abzustellen – sind Fläche und Kuhzahl nicht im Einklang, dann läuft viel aus den Ufern, vor allem bei Dürren wie heuer. Zudem mache ich aufmerksam: Die Pauschalierung ist Goldes wert – wir müssen auf die Rahmenbedingungen aufpassen! |