Der Schlüssel zu Reduktion von Stromkosten am Betrieb
Die österreichische Elektrizitätswelt steht vor einem Systemwechsel. Der Ausbau zunehmend flexibler und dezentraler Energiesysteme wie Photovoltaik macht eine Reform der Netzentgelte notwendig. Denn es stehen durch die Eigennutzung geringere Einnahmen zur Finanzierung der Netzinfrastruktur zur Verfügung. Gleichzeitig werden die Netze immer stärker belastet. Durch die Änderung des Elektrizitätswirtschaftsgesetzes (ElWG) wird voraussichtlich Anfang 2027 auf allen Netzebenen die tatsächlich in Anspruch genommene Leistung verrechnet. Für viele landwirtschaftliche Betriebe (Netzebene 7) orientieren sich die Netzkosten derzeit noch vorwiegend am jährlichen Stromverbrauch (kWh), ergänzt durch eine kleine Leistungspauschale von rund 50 Euro.
Ein Beispiel dafür: Wer seine Melkanlage und seine Mischanlage gleichzeitig mit insgesamt 20 kW betreibt, zahlt aktuell genauso viel wie jemand, der seine Mischanlage erst nach dem Melken in Betrieb nimmt und das Netz nacheinander mit jeweils nur 10 kW belastet. Ähnliches gilt für das schnelle und langsame Laden von E-Autos und E-Landmaschinen. Da Stromnetze für maximale Stromlasten gebaut werden müssen und nicht für die transportierten Kilowattstunden, rückt für die Verrechnung der Netzkosten die tatsächlich beanspruchte Leistung der jeweiligen Verbraucher ab dem Jahr 2027 in den Fokus.
In einem Workshop des LFI-Bildungsprojektes “Energieeffiziente Landwirtschaft“ haben sich führende Expertinnen und Experten Gedanken über die Auswirkungen der künftigen Systemnutzungsentgelte-Verordnung auf die Netzkostenentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe gemacht. Sie weisen in der Praxis vielfach ein sehr spezifisches Lastprofil auf: einen geringen Strombezug über das Jahr, aber hohe Verbrauchsspitzen. Dazu zählen beispielsweise Milchviehbetriebe mit E-Futtermischern und Heutrocknungsanlagen, Betriebe mit Direktvermarktung und Gastronomie oder Schweinemastbetriebe mit Mahl- und Mischanlagen sowie Güllepumpen. Wer das eigene Verbrauchsverhalten jedoch rechtzeitig anpasst und netzentlastende Maßnahmen umsetzt, kann die Netzkosten künftig gezielt reduzieren.
Ein Beispiel dafür: Wer seine Melkanlage und seine Mischanlage gleichzeitig mit insgesamt 20 kW betreibt, zahlt aktuell genauso viel wie jemand, der seine Mischanlage erst nach dem Melken in Betrieb nimmt und das Netz nacheinander mit jeweils nur 10 kW belastet. Ähnliches gilt für das schnelle und langsame Laden von E-Autos und E-Landmaschinen. Da Stromnetze für maximale Stromlasten gebaut werden müssen und nicht für die transportierten Kilowattstunden, rückt für die Verrechnung der Netzkosten die tatsächlich beanspruchte Leistung der jeweiligen Verbraucher ab dem Jahr 2027 in den Fokus.
In einem Workshop des LFI-Bildungsprojektes “Energieeffiziente Landwirtschaft“ haben sich führende Expertinnen und Experten Gedanken über die Auswirkungen der künftigen Systemnutzungsentgelte-Verordnung auf die Netzkostenentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe gemacht. Sie weisen in der Praxis vielfach ein sehr spezifisches Lastprofil auf: einen geringen Strombezug über das Jahr, aber hohe Verbrauchsspitzen. Dazu zählen beispielsweise Milchviehbetriebe mit E-Futtermischern und Heutrocknungsanlagen, Betriebe mit Direktvermarktung und Gastronomie oder Schweinemastbetriebe mit Mahl- und Mischanlagen sowie Güllepumpen. Wer das eigene Verbrauchsverhalten jedoch rechtzeitig anpasst und netzentlastende Maßnahmen umsetzt, kann die Netzkosten künftig gezielt reduzieren.
Warum ein “kurzer Peak“ teuer wird
Die Verrechnung der Netzkosten ist künftig nach einer 40:60-Logik geplant: Dabei setzt sich das Netznutzungsentgelt zu 40% aus dem Leistungspreis (Kosten für die Leistungsinanspruchnahme in kW) und zu 60% aus dem Arbeitspreis (Kosten je verbrauchter kWh) zusammen. Technische Grundlage sind Smart Meter, die den Verbrauch in Viertelstundenintervallen messen. Für die Abrechnung herangezogen wird die höchste gemessene, gemittelte Viertelstunden-Leistung innerhalb eines Monats. Schon ein einziges gleichzeitiges Einschalten leistungsstarker Maschinen und Geräte kann die Netzkosten für das gesamte Monat in die Höhe treiben.
Energiemanagement und Batteriespeicher effizient betreiben
Um die Netzkosten zu senken, ist ein intelligentes Energiemanagement unumgänglich. Gefragt ist eine kluge Kombination aus betriebsinterner Optimierung und netzdienlicher Steuerung. Ein dreistufiger Fahrplan führt die Landwirtschaft sicher durch die Tarifreform:
Schritt 1: Lastprofil-Analyse und Bewusstsein schaffen
Die Aktivierung der Viertelstunden-Messung im Online-Portal des Netzbetreibers ist ein erster wichtiger Schritt zur Bewusstseinsbildung und Kostensenkung. Nur wer genau weiß, zu welchem Zeitpunkt Stall, Kühlung oder Trocknung am meisten Strom verbrauchen, kann gezielt steuernde Eingriffe vornehmen und Lastspitzen vermeiden. Alternativ können dafür auch die Apps der verschiedenen Wechselrichterhersteller verwendet werden.
Schritt 2: Aktives Lastmanagement und Sektorenkopplung
Im Gegensatz zu Haushalten sind landwirtschaftliche Produktionsprozesse zwar hochkomplex, aber oft erstaunlich gut planbar. Hier setzt das aktive Lastmanagement an: Nicht-kritische Stromverbraucher werden im Tagesverlauf gezielt verschoben oder in ihrer Leistungsbereitstellung gedrosselt. Im Rahmen der Sektorenkopplung steuert ein zentrales Energiemanagementsystem die betrieblichen Strom- und Wärmeflüsse so, dass die Inbetriebnahme stromintensiver Geräte und Maschinen exakt der Photovoltaik-Erzeugungskurve folgen.
Schritt 3: Batteriespeicher mit Peak-Shaving
Während das Energiemanagement auf die zeitliche Verschiebung der Einschaltzeiten von Maschinen und Geräten setzt, bewirkt ein Batteriespeicher eine weitgehende Entkopplung des Netzbezugs. Beim sogenannten Peak Shaving (Spitzenkappen) überwacht das Energiemanagement permanent den Netzanschlusspunkt. Droht die Leistungsaufnahme einen vordefinierten Schwellenwert zu überschreiten, schaltet sich der Speicher in Millisekunden hinzu und puffert die Lastspitze ab. Die Maschinen laufen wie gewohnt, doch die vom Netz bezogene und abrechnungstechnische Leistungsspitze bleibt niedrig.
Dieses Prinzip funktioniert auch in die Gegenrichtung beim Einspeisen: Durch eine intelligente Einspeisebegrenzung (z.B. konstant 20 kW über den Tag) werden PV-Erzeugungsspitzen abgefangen und kontrolliert in die Batterie geleitet, statt das Netz übermäßig zu belasten. Ohne eine solche intelligente Steuerung sind Batteriespeicher kaum netzdienlich. Erst die Software des Batteriespeichers macht das Gesamtsystem effizient und hilft zukünftig, bares Geld zu sparen. Aus diesem Grund sollte bei der Auswahl des Batteriespeichers vermehrt Augenmerk auf Merkmale wie die Software und die maximale Leistungsbereitstellung gelegt werden.
Schritt 1: Lastprofil-Analyse und Bewusstsein schaffen
Die Aktivierung der Viertelstunden-Messung im Online-Portal des Netzbetreibers ist ein erster wichtiger Schritt zur Bewusstseinsbildung und Kostensenkung. Nur wer genau weiß, zu welchem Zeitpunkt Stall, Kühlung oder Trocknung am meisten Strom verbrauchen, kann gezielt steuernde Eingriffe vornehmen und Lastspitzen vermeiden. Alternativ können dafür auch die Apps der verschiedenen Wechselrichterhersteller verwendet werden.
Schritt 2: Aktives Lastmanagement und Sektorenkopplung
Im Gegensatz zu Haushalten sind landwirtschaftliche Produktionsprozesse zwar hochkomplex, aber oft erstaunlich gut planbar. Hier setzt das aktive Lastmanagement an: Nicht-kritische Stromverbraucher werden im Tagesverlauf gezielt verschoben oder in ihrer Leistungsbereitstellung gedrosselt. Im Rahmen der Sektorenkopplung steuert ein zentrales Energiemanagementsystem die betrieblichen Strom- und Wärmeflüsse so, dass die Inbetriebnahme stromintensiver Geräte und Maschinen exakt der Photovoltaik-Erzeugungskurve folgen.
- Wärmepumpen und Kühlungen: Diese werden automatisiert dann aktiviert, wenn reichlich Photovoltaik-Strom zur Verfügung steht.
- Lademanagement: Die betriebliche E-Mobilität wird nicht ungesteuert im Schnellverfahren geladen, was enorme Leistungsspitzen verursachen würde. Stattdessen wird die verfügbare Ladeleistung dynamisch und zeitversetzt über mehrere Stunden verteilt und optimiert.
- Priorisierungs-Kaskaden: Das System teilt die Energie intelligent zu – erst fließt der Strom in die Batterieladung, danach in thermische Verbraucher (wie Heizstäbe bzw. Wärmepumpe) und schließlich in die PV-optimierte Beladung von E-Fahrzeugen.
Schritt 3: Batteriespeicher mit Peak-Shaving
Während das Energiemanagement auf die zeitliche Verschiebung der Einschaltzeiten von Maschinen und Geräten setzt, bewirkt ein Batteriespeicher eine weitgehende Entkopplung des Netzbezugs. Beim sogenannten Peak Shaving (Spitzenkappen) überwacht das Energiemanagement permanent den Netzanschlusspunkt. Droht die Leistungsaufnahme einen vordefinierten Schwellenwert zu überschreiten, schaltet sich der Speicher in Millisekunden hinzu und puffert die Lastspitze ab. Die Maschinen laufen wie gewohnt, doch die vom Netz bezogene und abrechnungstechnische Leistungsspitze bleibt niedrig.
Dieses Prinzip funktioniert auch in die Gegenrichtung beim Einspeisen: Durch eine intelligente Einspeisebegrenzung (z.B. konstant 20 kW über den Tag) werden PV-Erzeugungsspitzen abgefangen und kontrolliert in die Batterie geleitet, statt das Netz übermäßig zu belasten. Ohne eine solche intelligente Steuerung sind Batteriespeicher kaum netzdienlich. Erst die Software des Batteriespeichers macht das Gesamtsystem effizient und hilft zukünftig, bares Geld zu sparen. Aus diesem Grund sollte bei der Auswahl des Batteriespeichers vermehrt Augenmerk auf Merkmale wie die Software und die maximale Leistungsbereitstellung gelegt werden.
Spitzen raus, Kosten runter
Die simple Formel für die Zukunft lautet: “Spitzen raus, Kosten runter“. Wer die Augen vor der Reform verschließt, riskiert empfindliche Mehrkosten durch unkontrollierte Lastspitzen.
Doch der Einsatz intelligenter Energiemanagementsysteme, Batteriespeicher und die kluge Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität ist weit mehr als nur eine Maßnahme gegen hohe Netzentgelte. Sie ist das Fundament für eine weitgehende Energieunabhängigkeit und eine effizientere Eigenverbrauchsoptimierung. Ein flexibler, digitalisierter Betrieb reduziert nicht nur die Belastung der Stromnetze, sondern ist auch bereit für die intelligente Stromvermarktung in Energiegemeinschaften oder die Bereitstellung von Netzdienstleistungen.
Die Änderung der Systemnutzungsentgelte-Verordnung muss also nicht nur eine Belastung sein, sondern kann auch als Startschuss gesehen werden, um den eigenen Hof in ein hochmodernes, unabhängiges Elektrizitätskraftwerk zu verwandeln. Nutzen Sie die Smart-Meter-Daten und die Zeit bis 2027, um Lastspitzen zu erkennen und durch kluge Maßnahmen zu senken!
Doch der Einsatz intelligenter Energiemanagementsysteme, Batteriespeicher und die kluge Vernetzung von Strom, Wärme und Mobilität ist weit mehr als nur eine Maßnahme gegen hohe Netzentgelte. Sie ist das Fundament für eine weitgehende Energieunabhängigkeit und eine effizientere Eigenverbrauchsoptimierung. Ein flexibler, digitalisierter Betrieb reduziert nicht nur die Belastung der Stromnetze, sondern ist auch bereit für die intelligente Stromvermarktung in Energiegemeinschaften oder die Bereitstellung von Netzdienstleistungen.
Die Änderung der Systemnutzungsentgelte-Verordnung muss also nicht nur eine Belastung sein, sondern kann auch als Startschuss gesehen werden, um den eigenen Hof in ein hochmodernes, unabhängiges Elektrizitätskraftwerk zu verwandeln. Nutzen Sie die Smart-Meter-Daten und die Zeit bis 2027, um Lastspitzen zu erkennen und durch kluge Maßnahmen zu senken!
Leistungsbepreisung auf einen Blick
- Rechtlicher Hintergrund: Die Netztarife sind keine Marktpreise. Sie werden direkt von der Regulierungsbehörde E-Control verordnet, um die Kosten für den Betrieb, den Ausbau sowie die Instandhaltung der Stromnetze lückenlos abzudecken.
- Warum Leistungsmessung? Dadurch werden Anreize für eine intelligente Energienutzung geschaffen. Das Lastmanagement wird zum entscheidenden Werkzeug, um die eigenen Netzkosten aktiv zu steuern, da eine netzfreundliche Nutzung künftig belohnt wird.
- Der Abrechnungsmodus: Für die Verrechnung wird der höchste gemessene Viertelstunden-Wert eines Monats herangezogen, wobei jeder Monat einzeln betrachtet wird. Bereits eine kurze Zeit mit einer sehr hohen Leistung kann die Netzkosten für den gesamten Monat massiv beeinflussen.
- Datensicherheit: Der Smart-Meter übermittelt den höchsten monatlichen Viertelstunden-Wert an den Netzbetreiber.
- Praxis-Ausblick für den Hof: Auch wenn die genaue Ausgestaltung noch nicht final feststeht, fallen die Art und der exakte Zeitpunkt der Stromnutzung künftig deutlich stärker ins Gewicht.
- Eigenverantwortung: Landwirte müssen sich frühzeitig mit ihrem Betrieb auseinandersetzen. Wichtige Fragen: Welche Geräte verursachen hohe Lasten? Wann treten Spitzen auf? Wo gibt es Spielraum für Anpassungen?
Sonnenrabatt auf Netzentgelte nutzen
Seit 1. April gilt in Österreich der neue Sommer-Nieder-Arbeitspreis (SNAP). Von April bis September wird der Netz-Arbeitspreis täglich zwischen 10 und 16 Uhr um 20% reduziert. Wer seinen Stromverbrauch in genau diese Stunden verlagert, spart Netzkosten. Voraussetzung ist ein Smart Meter mit aktivierter Viertelstundenauslesung.