Zwischenfrüchte als wertvolles Futter
Die unterdurchschnittlichen Erträge des ersten und zweiten Schnittes und die historische Dürre reißen Futterlücken bei den betroffenen Grünlandbetrieben auf. Die Schäden durch Trockenheit sind großflächig und die Nachfrage nach Futter groß. Ackerbaubetriebe werden eingeladen, ihre Flächen den viehhaltenden Betrieben für die Futterproduktion zur Verfügung zu stellen. Die Kammer hat dazu einen Vertrag ausgearbeitet (unten). Die Schäden der Trockenheit zeigen sich am Grünland durch Lücken in der Grasnarbe. Wir haben bereits in der Ausgabe vom 1.August der Landwirtschaftlichen Mitteilungen berichtet, wie diese am besten wieder geschlossen werden können.
Zwischenfrüchte nutzen
Auf Ackerflächen kann über Zwischenfrüchte noch zusätzliches Futter gewonnen werden. Die Tabelle (unten) gibt einen Überblick über gängige Mischungen. Die Eignung der gewählten Mischung als Öpul-Zwischenfrucht ist im Vorhinein zu klären und bei einer MFA-Korrektur zu berücksichtigen. Die folgenden Mischungen sind als Grünfutter, Silage oder als Ackerweide nutzbar.
Landsberger
Landsberger Gemenge eignet sich gut für die Anlage nach Getreide im August (in Gunstlagen auch noch Anfang September). Eine spätere Anlage ist nicht zu empfehlen, da die Keimlinge sehr frostempfindlich sind. Landsberger Gemenge ist im Herbst und Frühjahr, vor einem etwaigen Maisanbau, nutzbar.
Raygrasmischung
Eine raschwachsende Raygras-Mischung (Raygräser mit Alexandriner-Klee) bietet sich an, wenn nach Getreide wieder Wintergetreide geplant ist und in der Zeit dazwischen Futter von der Fläche gewonnen werden soll. Hier ist auch eine entsprechende Düngung, beispielsweise mit Gülle oder Jauche, mitzudenken.
Roggen
Grünschnittroggen nach Mais könnte auch mit Futterleguminosen gemischt werden. Bei rechtzeitiger Ernte der Vorfrucht ist ein Schnitt im Herbst und einer im Frühjahr möglich.
Anlage
Eine gute Saatbettbereitung ist jedenfalls notwendig und eine Anlage mittels Drillsaat empfehlenswert. Die Saattiefe sollte bei sehr kleinkörnigen Saaten nicht zu tief erfolgen (etwa ein Zentimeter bei Raygras und Rotklee). Bei Trockenheit nach der Anlage kann Walzen für besseren Bodenschluss sorgen. Das macht jedoch nur dann Sinn, wenn der Boden verformbar ist.
Lohndienstleister
Der Maschinenring kann bei unterschiedlichen Arbeitsgängen unterstützend wirken. Das betrifft sowohl die Anlage und Ernte von Zwischenfrüchten und Silomais, als auch den Transport von Erntegut von Verkäufer zu Käufer, Nachfrage beim lokalen Maschinenring ist hier zu empfehlen. Als letzte Option bleibt der Futterzukauf. Ackerbaubetriebe, die ihre Zwischenfrüchte oder Mais als Futter verkaufen möchten, können über diese Plattformen mit Käufern in Kontakt treten.
LK-Fütterungsexperte Karl Wurm beantwortet zentrale Fragen zur Verfütterung von Zwischenfrüchten:
- Wie hoch sollten die Zwischenfrüchte gemäht werden?
Die Silierung von Zwischenfrüchten ist im Spätherbst und Frühjahr besonders anspruchsvoll. Erdige Verschmutzungen führen häufig zu Fehlgärungen durch Clostridien und vermindern den Futterwert. Zudem kann ein hoher Schmutzgehalt gesundheitliche Probleme bei den Tieren verursachen. Um starke Verschmutzungen zu vermeiden, sollte mindestens neun Zentimeter hoch gemäht werden. - Sind Siliermittel notwendig?
Im Herbst geerntete Zwischenfrüchte können meist nicht ausreichend angewelkt werden. Dadurch bleibt die für eine gute Gärung notwendige Zuckerkonzentration im Futter niedrig und es kann zu Sickersaftverlusten kommen. Nasses Futter lässt sich außerdem nur schwer verdichten. Um dennoch eine gute Gärqualität zu erreichen, ist der Einsatz von Siliermitteln sinnvoll. Aufgrund des hohen Wassergehaltes und der niedrigen Temperaturen im Herbst wirken chemische Siliermittel (Salze und Säuren) in der Regel besser als Bakterienkulturen. - Wie soll idealerweise siliert werden?
Zwischenfrüchte sollten nicht im Sandwichverfahren auf bereits gut vergorene Silagen siliert werden, da austretende Sickersäfte das darunterliegende Futter verderben können. Stattdessen empfiehlt sich die Silierung in Rundballen oder in einem eigenen Fahrsilo beziehungsweise auf einer separaten Siloplatte. - Warum ist eine Mischration ideal?
Zwischenfrüchte stellen – unabhängig von ihrer Art – immer nur eine Ergänzung der Ration dar. Um eine möglichst gleichmäßige Futteraufnahme zu erreichen und Futterselektion zu vermeiden, ist eine Mischration ideal. Steht am Betrieb kein Mischwagen zur Verfügung, sollten die Tiere zweimal täglich im Fressgitter fixiert und die Zwischenfrüchte anschließend vorgelegt werden. Dadurch wird eine gleichmäßigere Aufnahme erreicht. - Wie hoch darf der Anteil an der Tagesration sein?
Die maximale Tagesmenge hängt von der Qualität und dem Nährstoffgehalt der Zwischenfrüchte ab. Vor allem der geringe Strukturgehalt in Kombination mit dem hohen Wassergehalt macht eine Begrenzung der Einsatzmenge erforderlich. Unter ungünstigen Bedingungen – insbesondere auf gut mit Stickstoff versorgten Böden und bei gleichzeitig nass-kühler Witterung im Herbst – kann es zu erhöhten Nitratgehalten in den Pflanzen kommen. Daher sollte ein Anteil von 30 Prozent der Grundfuttertrockenmasseaufnahme nicht wesentlich überschritten werden. Das entspricht bei Milchkühen rund fünf Kilogramm Trockenmasse beziehungsweise etwa 25 bis 30 Kilogramm Silage oder Grünfutter je Tier und Tag. Bei Jungvieh liegt die empfohlene Menge meist bei 10 bis 15 Kilo Zwischenfrüchten je Tier und Tag. - Wie schaut es mit der Qualität der Zwischenfrüchte aus?
Im Herbst geerntete Zwischenfrüchte weisen in der Regel einen geringen Strukturgehalt und eine hohe Blattmasse auf. Im Frühjahr geerntete Bestände wachsen stärker in die Höhe und enthalten daher einen höheren Anteil an Stängelmasse. Die Qualität der Zwischenfrüchte wird neben dem Erntezeitpunkt und dem Konservierungserfolg maßgeblich von der Pflanzenzusammensetzung bestimmt. - Welche Art an Zwischenfrüchten eignen sich für Milchkühe und Mastrinder?
Futtermischungen mit Raygräsern und Leguminosen wie Rotklee oder Wicken zeichnen sich in der Regel durch eine hohe Verdaulichkeit und einen guten Eiweißgehalt aus. Sie eignen sich daher besonders für die Fütterung von Milchkühen und Mastrindern. Getreideganzpflanzen wie Roggen sowie Sudangras enthalten hingegen weniger Eiweiß, sind strukturreicher und eignen sich gut für die Aufzucht von Jungtieren über einem Jahr sowie für die extensive Rindermast. - Worauf ist beim Füttern zu achten?
Der Erfolg beim Einsatz von Zwischenfrüchten in der Fütterung hängt nicht nur von ihrem Nährstoffgehalt, sondern auch vom Fütterungsmanagement ab. Die Tagesmenge sollte zu Beginn langsam gesteigert und gleichmäßig auf die einzelnen Fütterungen verteilt werden. Um eine optimale Ergänzung mit Kraft- und Mineralfutter sicherzustellen, sind Futteruntersuchungen notwendig. Zusätzlich sollten die Tiere sorgfältig beobachtet werden. Veränderungen im Wiederkauverhalten, eine verminderte Futteraufnahme oder dünnflüssiger Kot können auf Fütterungsfehler hinweisen. - Wo gibt es weitere Informationen?
Die Kammer informiert laufend auf stmk.lko.at darüber, welche Begrünungs- und Zwischenfruchtmischungen (unten) sich zur Fütterung eignen und welche förder- und fachrechtliche Anforderungen aktuell gelten.
Ackerbauern: Zwischenfrucht-Futter für Tierhalter – Vertrag
Ackerbauern sind eingeladen, ihre abgeernteten Flächen Grünlandbetrieben für den Anbau von Zwischenfrüchten, die als Futter dienen, zur Verfügung zu stellen. Die Kammer bietet hierfür einen Mustervertrag an: Mustervertrag