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11.06.2026 | von Franz Heuberger

Die angehenden Meisterinnen und Meister lernen von Experten, Forschern und vor allem auch von erfolgreichen Praktikern

Kursfotos Meisterausbildung © LFA
© LFA
Mit der Ausbildung ist es wie mit der Saat: Gut aufgehen kann sie nur, wenn der Boden perfekt vorbereitet wurde und die Bedingungen passen. Damit die jungen Meisterinnen und Meister das Erlernte in der Praxis auch gut umsetzen können, arbeitet die Lehrlings- und Fachausbildungsstelle in der Landwirtschaftskammer (LFA), die für die Organisation der Kurse zuständig ist, mit einem Mix aus theoretischen Ausbildungsinhalten, praktischen Einheiten und interessanten Exkursionen zu Top-Betrieben. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Ausbildung sind die Vortragenden, die zu einem Großteil aus der facheinschlägigen Praxis stammen und vielfach selbst in der Beratung, in der Forschung oder als Betriebsführer tätig sind. 

Praxiswissen

Im vergangenen Ausbildungswinter waren bei den steirischen Meisterkursen rund 140 Vortragende im Einsatz. Fast alle sind selbst als Berater in der Landwirtschaftskammer oder als Mitarbeiter der Lehre und Forschung, beispielsweise an der Bundeslehr- und Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein oder in den Versuchsanstalten des Landes in Haidegg, Wies oder Silberberg tätig. So gelangen aktuelles Fachwissen und Kompetenzen am Puls der Zeit zu den angehenden Meistern. Viele der Vortragenden bewirtschaften darüber hinaus selbst einen Bauernhof, weshalb sie die sich laufend ändernden Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft bestens kennen und sich so ideal auf die Kandidaten einstellen können.

Viele Wege möglich

Punkto Durchlässigkeit ist das land- und forstwirtschaftliche Berufsausbildungssystem ein Erfolgsmodell. Über 80 Prozent der Meister-Kandidaten verfügen über einen einschlägigen Facharbeiterabschluss. Viele der Meister sind Absolventen der dreijährigen land-, forst- und ernährungswirtschaftlichen Fachschulen. 
Immer mehr Meisterkandidaten verfügen aber auch über außerlandwirtschaftliche Berufsausbildungen und holen vor der Meisterausbildung über die LFA ihren Facharbeiterabschluss im zweiten Bildungsweg nach. Darüber hinaus können aber auch Kandidaten, die über eine langjährige praktische Erfahrung im jeweiligen Ausbildungsgebiet verfügen oder mehrere Jahre bereits als Betriebsführer tätig sind, eine Meisterausbildung ohne entsprechenden Facharbeiterabschluss starten. 

Meister sein lohnt sich

Im Förderprogramm der Ländlichen Entwicklung (kofinanziert aus Mitteln von EU, Bund und Land) können junge Meister im Rahmen der Niederlassungsprämie einen „Meister:innenbonus“ generieren. Dieser Bonus war und ist eine wesentliche Forderung der Landwirtschaftskammer und der ARGE Meister und konnte jeweils mit Beginn der beiden letzten Förderperioden auf die derzeit geltenden 5.000 Euro für junge Übernehmer oder Betriebsneugründer erhöht werden. Wesentliches Element stellen die Aufzeichnungen über drei Kalenderjahre für den Erhalt der Niederlassungsprämie dar, die wertvolle Controlling- und Entscheidungshilfen sind. Darüber hinaus wird auch die Meisterausbildung selbst über das Förderprogramm der Ländlichen Entwicklung sowie mit Mitteln der Landwirtschaftskammer unterstützt. Dadurch erhalten die Teilnehmer mit 2.400 Euro pro 500-stündiger Meisterausbildung einen sehr moderaten Kurspreis. Damit setzen sowohl Politik als auch Interessenvertretung ein wichtiges Zeichen für die Unterstützung von Aus- und Weiterbildung und geben ein klares Bekenntnis zur Höher­qualifikation ab. Seit zwei Jahren dürfen Meister ihren Titel nach Vorlage bei der Behörde auch im Namen führen (Mst). Dies macht den höchsten Berufsabschluss für Praktiker nun auch öffentlich klar sichtbar.

Steirische Meisterinnen und Meister über ihre eingeschlagenen Wege

Andreas Reismann, Neuberg bei Mürz:
"Nach zwei gewerblichen Meistertiteln in KFZ-Technik und Metalltechnik für Land- und Baumaschinen sowie dem Landwirtschaftsmeister, folgte nun der Forstwirtschaftsmeister. Auch die Jagdprüfung habe ich schon länger abgelegt. Im allgemeinen Teil der Ausbildung konnte mir viel angerechnet werden. Mir ist es in meinem Beruf als Werkstättenleiter und Nebenerwerbs-Mutterkuhhalter wichtig, ein übergreifendes Wissen zu haben. Es gibt viele Zusammenhänge. Weiterbildung ist wichtig. Das Rad der Zeit dreht sich einfach weiter."

Maz Zügner, Fürstenfeld:
"Ich habe eine Ausbildung außerhalb der Landwirtschaft gemacht. Doch ich entdeckte dann doch meine Leidenschaft für die Landwirtschaft. Als die Übernahme unseres Ackerbaubetriebes, der sich auf Saatgutvermehrung spezialisiert hat, Thema wurde, machte ich in Bildungskarenz den Facharbeiter. Ich hatte aber das Gefühl, noch zu wenig zu wissen, um meinen Betrieb zukunftsfähig weiterführen zu können. Also habe ich jetzt den Meister gemacht und mir ein Konzept erarbeitet, um mit einem zweiten Standbein in den Vollerwerb zu gehen."

Leopold Kamp, Mitterberg-St. Martin:
"Für mich hat der Zeitpunkt gut gepasst, weil Bekannte von mir auch den Meisterkurs absolvierten. Auch mein Vater ist Landwirtschaftsmeister. Bei mir steht die Übernahme des Familien-Milchviehbetriebes noch aus. In meiner Meisterarbeit geht es darum, wie wir unseren Stall nachhaltig und effizient umbauen können. Da ich vollzeitbeschäftigt bin, war es eine Herausforderung, mir die fünf Wochen Meisterkurs im Winter einzuteilen. Die Ausbildung war sehr gut. Tierernährung, Tiergesundheit und Grünlandwirtschaft waren für mich enorm aufschlussreich."

Julia Rabensteiner, Bad Gams:
"Meine Schwester und ich werden in den nächsten Jahren den landwirtschaftlichen Betrieb von unserer Mutter übernehmen. Beide sind wir bereits in einer anderen Sparte Meister. Ich habe maturiert. Mit meiner Schwester gemeinsam bin ich schon Geschäftsführerin unseres Handelsbetriebes. Wir sind Spezialisten für Obstverarbeitung. Mehr Einblicke in die Produktion zu bekommen, war sehr wichtig. Durch sieben Jahren Erfahrung in der Obstverarbeitung hatte ich die Möglichkeit, den Meisterkurs zu besuchen. Das war immer Ziel."

Emanuel Maoser-Rath, Haselsdorf-Tobelbad:
"Ich habe bei der Holding Graz im Gartenbau meine Lehre und den Facharbeiter absolviert. Für mich bietet die Meisterausbildung neue Aufstiegsmöglichkeiten. Außerdem habe ich selbst ein paar Flächen gepachtet, die ich jetzt nebenbei bewirtschafte. Ich habe aber die Perspektive, mich irgendwann selbstständig zu machen. Der Blick über den Tellerrand fand ich bei der österreichweiten Ausbildung toll. Jeder tut anders und hat andere Schwerpunkte. Sehr cool war der Kurs zu Heil- und Gewürzkräutern oder der Baumschulkurs mit einem Vortragenden aus Bayern."

Daniel Feichtenhofer, Kindberg:
"Seit ich nach der landwirtschaftlichen Fachschule den Forstfacharbeiter in Pichl gemacht habe, wusste ich, dass ich Forstmeister werden will. In Pichl hat mich das Thema voll infiziert. Und weil ich den Betrieb meiner Eltern schon früh gepachtet habe, war es wegen des Meisterbonus bei der Niederlassungsprämie Zeit, den Meister zu machen. Ich werde unseren Mutterkuh- und Forstbetrieb bald übernehmen. Mit meiner Ausbildung kann ich beginnen, den Wald für die nächsten Generationen zu gestalten. Mit dem Netzwerk der Meister bleibe ich verbunden."

Facharbeiter und Lehrlinge

  • Zweiter Bildungsweg: Die Lehrlings- und Fachausbildungsstelle (LFA) Steiermark bietet im Ausbildungswinter 2026/2027 acht Facharbeiterausbildungen im zweiten Bildungsweg in der Sparte Landwirtschaft sowie eine für Obstbau und Obstverarbeitung an. In Kooperation mit der FAST Pichl und dem steirischen Imkerzentrum finden Facharbeiterausbildungen für Forst- und Bienenwirtschaft statt. 
  • Fachschule: In der Steiermark gibt es insgesamt 20 dreijährige land-, forst- und ernährungswirtschaftliche Fachschulen mit vier verschiedenen Hauptfachrichtungen. Je nach Hauptfachrichtung der Fachschule wird den Absolventen die Facharbeiterprüfung durch die LFA ersetzt.
  • Lehre: Eine Lehrlingsausbildung kann in jedem der 16 Ausbildungsgebiete (rechts) absolviert werden. In der Steiermark gibt es derzeit rund 120 Lehrlinge auf rund 70 Lehrbetrieben. Mit der Gartenbauschule Großwilfersdorf gibt es eine Berufsschule in der Steiermark. 

Arbeitsgemeinschaft der Meister

  • Netzwerk: Die Ziele der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der Meisterinnen und Meister sind Beratung, Betreuung, Interessensvertretung und Weiterbildung der steirischen Meister-Betriebe sowie die Förderung des allgemeinen Verständnisses für Land- und Forstwirtschaft in der Gesellschaft.
  • 1.500 Mitglieder: Die Arbeitsgemeinschaft zählt in der Steiermark rund 1.500 Mitglieder. Sie bietet den Meistern und ihren Familienangehörigen ein attraktives Jahresprogramm, welches von Weiterbildungsveranstaltungen über Exkursionen und Studienreisen bis hin zu geselligen Aktivitäten reicht. 
  • Zu Besuch beim Erfolg: Großen Anklang im Jahresprogramm finden die Exkursionen unter dem Motto „zu Besuch beim Erfolg“, bei denen interessante Betriebe von Meisterkollegen besichtigt werden. Weitere Highlights im Jahresreigen der Arbeitsgemeinschaft sind die jährliche Reise, der Jubiläumswandertag sowie die Meisterbrief-Verleihung.

Diesen Herbst in Ausbildung einsteigen

Die Meisterausbildung ist der höchste Abschluss der praktischen Berufsausbildung. Wer Meister ist, erhält bei der Existenzgründungsbeihilfe einen Meisterbonus, darf Lehrlinge ausbilden und kann sich die Unternehmerprüfung sowie den Fachbereich bei der Berufsreifeprüfung sparen. 

Wer möchte, kann nach Vorlage seines Meisterbriefes bei der Behörde auch den Titel „Mst“ vor seinem Namen führen. Die Ausbildungen umfassen je nach Ausbildungsgebiet 400 bis 500 Unterrichtseinheiten, die in fünf bis sieben Kursmodulen organisiert sind. Die Kursmodule erstrecken sich üblicherweise auf drei Ausbildungswinter. 

Die Lehrlings- und Fachausbildungsstelle (LFA) Steiermark bietet im Herbst 2026 fünf neu startende Meisterausbildungen an:
  • Zwei Kurse für Landwirtschaft, einer im Steiermarkhof, Graz und einer in Raumberg-Gumpenstein, Liezen
  • Forstwirtschaft in der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl, Mitterdorf im Mürztal, Bruck an der Mur
  • Weinbau und Kellerwirtschaft im Steiermarkhof, Graz sowie in der Fachschule Silberberg, Leibnitz
  • Gartenbau als österreichweite Ausbildung, die in mehreren Bundesländern stattfindet
  • Pferdewirtschaft, wobei die Ausbildung vom LFA Oberösterreich organisiert wird. Die Teilnahme ist auch für Steirerinnen und Steirer möglich

Karriere in 16 vielfältigen Berufen

Die land- und forstwirtschaftliche Berufsausbildung umfasst insgesamt 16 Ausbildungsgebiete. Als jüngstes Ausbildungsgebiet wurde vor rund zwei Jahren die „Berufsjagdwirtschaft“ in die Berufsliste aufgenommen. In allen Ausbildungsgebieten kann der Abschluss auf Facharbeiter- sowie auf Meisterebene erzielt werden. Die Facharbeiterqualifikation entspricht im achtstufigen nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) der Stufe 4 und steht somit auf selber Ebene wie etwa ein Lehrabschluss. Der Meisterabschluss der NQR-Stufe 6 ist mit einem Bachelor-Studium vergleichbar. 

Abschlüsse
Von den Abschlusszahlen sind die Ausbildungsgebiete Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau, Obstbau, Weinbau sowie Bienenwirtschaft am bedeutendsten. Diese finden regelmäßig in der Steiermark statt. Die Kurse sind teilweise auch bundesländerübergreifend, wie etwa beim jüngsten Fischereimeister-Ausbildungskurs (Bild). Dieser fand hauptsächlich in Oberösterreich statt, vier Steirer waren mit dabei.

Die 16 Berufe sind:
  • Landwirtschaft
  • Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement
  • Gartenbau
  • Feldgemüsebau
  • Obstbau und Obstverarbeitung
  • Weinbau und Kellerwirtschaft
  • Molkerei- und Käsereiwirtschaft
  • Pferdewirtschaft
  • Fischereiwirtschaft
  • Geflügelwirtschaft
  • Bienenwirtschaft
  • Forstwirtschaft
  • Forstgarten- und Forstpflegewirtschaft
  • Landwirtschaftliche Lagerhaltung
  • Biomasseproduktion und land- und forstwirtschaftliche Bioenergiegewinnung
  • Berufsjagdwirtschaft
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