Wenn aus Überforderung Vernachlässigung wird
Die Nutztierhaltung ist ein zentraler Bestandteil in der Landwirtschaft, bringt jedoch auch große Verantwortung mit sich. Leider gibt es Fälle, in denen Tiere unzureichend versorgt oder sogar vernachlässigt werden. Ursachen dafür liegen meist nicht in mangelndem Willen oder Empathielosigkeit, sondern häufiger in komplexen Belastungs- und Überlastungssituationen der Tierhalter.
Überlastung
„Ein zentraler Grund von vielen kann beispielsweise auch psychische Überlastung sein,“ führt Tanja Kreiner, Tierärztin des LK-Referates Schweine an, „Landwirtschaftliche Betriebe sind oft familiär geführt, Arbeitszeiten sind lang und Erholungsphasen selten, gerade zu den Arbeitsspitzen. Enormer Stress, Depressionen bis hin zum Burnout können daraus resultieren und im Extremfall dazu führen, dass notwendige Tätigkeiten, wie die bedarfsgerechte Versorgung der Tiere, vernachlässigt werden.“
Viele Faktoren
Körperliche Einschränkungen spielen ebenso eine Rolle, erklärt Kreiner: „Ein Unfall, eine schwere Erkrankung oder zunehmendes Alter können dazu führen, dass ein Tierhalter die körperlich anstrengende Arbeit nicht mehr alleine bewältigen kann. Und wenn plötzlich die Hauptarbeitskraft oder sogar die alleinige Arbeitskraft ausfällt, können Versorgung und Pflege der Tiere schnell in Gefahr geraten.“ Auch fehlende Liquidität kann dazu führen, dass Futter, Medikamente oder notwendige Reparaturen nicht mehr bezahlt werden können. Besonders in Krisenzeiten kann das zur Folge haben, dass Tiere nicht mehr ausreichend versorgt werden.
Es wird geholfen
Aus Scham, nicht um Hilfe zu fragen, ist nicht der richtige Weg – für Mensch, Tier und Betrieb. „Wichtig ist, dass Betroffene Hilfe nicht als Schwäche ansehen und sich isolieren und damit die Situation für alle noch weiter verschlimmern. Es ist heute kein Tabu mehr, sich und anderen einzugestehen, dass man es gerade alleine nicht schafft. Um Hilfe zu bitten, beweist oft mehr Stärke, als zu schweigen,“ appelliert Kreiner an die Tierhalterinnen und Tierhalter. Es gibt viele Anlaufstellen (unten).
Rechtzeitig handeln
Trotzdem stellt all das keine Rechtfertigung oder Entschuldigung dafür dar, dass Tiere schlecht oder im schlimmsten Fall nicht versorgt werden. In diesem Fall müssen zeitgerecht Lösungen für alle gefunden werden. Und die gibt es in der Regel auch. Tierleid darf nicht sein und muss es auch nicht.
Jemand hört zu
Telefonhotlines:
In der schwierigsten Stunde hört jemand zu
In der schwierigsten Stunde hört jemand zu
- Bäuerliches Sorgentelefon 0810 676 810
- Ö3 Kummernummer: 116 123
- Rat auf Draht: 147
- Telefonseelsorge: 142
- Frauenhelpline: 0800 112 112
- Männernotruf: 0800 222 555
Betriebshilfe
SVS Kostenzuschuss für Betriebshilfe ist unter bestimmten Bedingungen beim Ausfall von Betriebsführer und hauptberuflich Beschäftigten möglich, Tel. 050 808 808
Fachliche Hilfe
Haltungsbedingungen können oft schon mit kleinen Maßnahmen verbessert werden – die Kammer berät
- Rinder: Rudolf Grabner, 0664/602596 1424
- Schweine: Rudolf Schmied, 0664/602596 8044
- Schafe, Ziegen: Zuchtverband 03833/20070 34