Stimmungswechsel am Eiermarkt?
Die Nachfrage nach Eiern ist ungebrochen hoch. Dementsprechend viele Hennen werden eingestallt. Ein Stimmungswechsel rückt näher. Die Vogelgrippe ist die große Unbekannte. Daraus kann zum Jahreswechsel ein überbordendes Angebot resultieren.
Der europäische Eiermarkt zeigt Anfang September eine stabilere bis leicht freundlichere Tendenz. Nachdem die Preise seit dem Frühjahr kontinuierlich nachgegeben hatten, wurden zuletzt überwiegend unveränderte und vereinzelt wieder steigende Notierungen gemeldet. Besonders größere Eier sowie Bioqualität erzielten leichte Preisaufschläge. Für die Verarbeitungsindustrie ist das Angebot ebenfalls überschaubar. Die Nachfrage nach Konsumeiern bleibt lebhaft. EU-Marktberichte gehen davon aus, dass zumindest in der absatzstärksten Jahreszeit die Preisdynamik bestehen bleibt, zumal auch die Gestehungskosten angesichts der Futtersituation deutlich steigend sind. Der österreichische Eiermarkt präsentiert sich sehr stabil, was infolge der längerfristigen Partnerschaften sowie Preisvereinbarungen mit dem Lebensmittel-Einzelhandel nicht verwundert. Das Angebot an Boden-, Freiland- und Bioeiern ist ausreichend.
Was macht die Vogelgrippe?
Die größte Unbekannte für die kommenden Monate ist und bleibt die Vogelgrippe. Die weltweite Eierwirtschaft ist weiterhin stark von möglichen Ausbrüchen beeinflusst. Neue Fälle könnten das Angebot rasch verknappen und die aktuell erwartete Produktionsausweitung bremsen. Andererseits werden Impfprogramme zunehmend als möglicher Lösungsansatz gesehen. Insbesondere Frankreich sammelt derzeit vielversprechende Erfahrungen mit Impfstrategien gegen die Aviäre Influenza. Sollte sich dieser Ansatz europaweit etablieren, könnte die Produktionssicherheit deutlich steigen. Das würde wiederum die Bestandszahlen auf Höchstständen halten.
Robuste Nachfrage
Auf der Nachfrageseite sprechen viele Faktoren für einen weiterhin robusten Konsum. Für Österreich wird im Jahr 2025 ein Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs um rund fünf Eier erwartet. Haupttreiber ist der anhaltende Proteinboom. Eier profitieren von ihrem Image als natürliche, hochwertige und vergleichsweise kostengünstige Proteinquelle. Die steigende Nachfrage stützt damit den Markt zusätzlich. Dies gilt auch für Geflügelfleisch.
Kostenentwicklung schwierig
Weniger freundlich entwickeln sich die Aussichten auf der Kostenseite. Obwohl die Futterpreise derzeit noch moderat erscheinen, erwarten zahlreiche Marktteilnehmer für die kommenden Monate wieder steigende Kosten bei Futterkomponenten. Höhere Produktionskosten dürften somit erneut Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe nehmen. Hinzu kommen anhaltend hohe Energie- und Betriebsmittelkosten und Unsicherheiten aufgrund des USA-Iran-Konfliktes.
Weltweite Investitionen
Mittelfristig zeichnet sich eine deutliche Produktionsausweitung für Hühnereier ab. Internationale Stallbau-Unternehmen berichten von einer Auslastung ihrer Kapazitäten bis Ende 2027. Dies wird in der Branche als klares Signal für umfangreiche Investitionen und Bestandsaufstockungen gewertet – sowohl EU- als auch weltweit.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zusammenhang die aktuellen EU-Daten zu Brutei-Einlagen, Kükenschlüpfen und Legehenneneinstallungen (Grafik) mit anhaltend hoher Aktivität. Im Juni wurden beispielsweise EU-weit deutlich über 20 Millionen Legehennen eingestallt. Jedes Monat übertraf die Vorjahreszahl. Diese Kennzahlen gelten als wichtiger Frühindikator für die zukünftige Eierproduktion und deuten auf ein weiter steigendes Angebot in den kommenden Quartalen hin.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zusammenhang die aktuellen EU-Daten zu Brutei-Einlagen, Kükenschlüpfen und Legehenneneinstallungen (Grafik) mit anhaltend hoher Aktivität. Im Juni wurden beispielsweise EU-weit deutlich über 20 Millionen Legehennen eingestallt. Jedes Monat übertraf die Vorjahreszahl. Diese Kennzahlen gelten als wichtiger Frühindikator für die zukünftige Eierproduktion und deuten auf ein weiter steigendes Angebot in den kommenden Quartalen hin.
Möglicher Stimmungswechsel
Damit rückt auch ein möglicher Stimmungswechsel am Markt näher. Sollten die angekündigten Bestandsausweitungen tatsächlich umgesetzt werden und größere Vogelgrippeausbrüche ausbleiben, könnte sich die Versorgungslage zum Jahreswechsel als zu üppig herausstellen. Ein Überangebot erscheint aus heutiger Sicht also im Bereich des Möglichen. Die Marktentwicklung 2027 wird daher maßgeblich davon abhängen, ob die steigende Produktion durch den Verbrauch aufgenommen werden kann oder ob ein zunehmender Angebotsdruck auf die Preise entsteht.
Einstallzahlen Legehennen in der EU
Die Einstallzahl an Legehennen ist ein wichtiger Frühindikator für den europäischen Eiermarkt. Heuer wurden bislang deutlich mehr Hennen eingestallt als im Vorjahr
Statements: Was erwarten Sie vom Eiermarkt?
Versorgungssicherheit gegeben. Das Sommerloch hat die Lager gefüllt, es ist viel Industrieware vorhanden. Viele Landwirte sind mit großen Stalleinheiten eingestiegen. Zeitgleich wurde europaweit, vor allem in Spanien, investiert. Diese Eier drücken die Industrieeipreise. Was in Zukunft passiert, hängt von der Vogelgrippe ab. Ist die Welle so stark wie 2025, erwarte ich einen ausgeglichenen Markt. Fällt sie schwächer aus, werden die Preise sinken.
Hans-Peter Schlegl,
Obmann Geflügelwirtschaft Steiermark
Branche hat reagiert. Die vergangenen zwei Jahre waren von Versorgungsproblemen in der EU mit „Billigeiern“ gekennzeichnet. Das führte zu einer Mehrnachfrage im Inland. Auf der anderen Seite ist das Ei sehr beliebt geworden, der Absatz ist gestiegen. Die Branche hat reagiert, die Bauern haben investiert, so wie es von unseren Marktpartnern gefordert wurde. Was die Vogelgrippe betrifft, war der Sommer heuer viel ruhiger als in den vergangenen Jahren. Ich erwarte daher mehr „Billigeier“ am Markt. Umso wichtiger wird sein, dass unsere Partner zu uns stehen.
Benjamin Guggenberger,
Geschäftsführer EZG Frischei
Preise können nur steigen. Wie es weitergeht, wird die Vogelgrippe bestimmen. Kommt sie in Europa stark, wird die Gastronomie wieder heimische Eier kaufen – dann könnte es brenzlig werden. Derzeit kaufen Wirte vorwiegend im Ausland. Kommt sie schwach, ist die Versorgung gesichert. So oder so, die Eipreise können nur steigen, weil die Futterernte schlecht ist. Nichts wird billiger.
Alois Hütter,
Geschäftsführer Gnaser Frischei
Hans-Peter Schlegl,
Obmann Geflügelwirtschaft Steiermark
Branche hat reagiert. Die vergangenen zwei Jahre waren von Versorgungsproblemen in der EU mit „Billigeiern“ gekennzeichnet. Das führte zu einer Mehrnachfrage im Inland. Auf der anderen Seite ist das Ei sehr beliebt geworden, der Absatz ist gestiegen. Die Branche hat reagiert, die Bauern haben investiert, so wie es von unseren Marktpartnern gefordert wurde. Was die Vogelgrippe betrifft, war der Sommer heuer viel ruhiger als in den vergangenen Jahren. Ich erwarte daher mehr „Billigeier“ am Markt. Umso wichtiger wird sein, dass unsere Partner zu uns stehen.
Benjamin Guggenberger,
Geschäftsführer EZG Frischei
Preise können nur steigen. Wie es weitergeht, wird die Vogelgrippe bestimmen. Kommt sie in Europa stark, wird die Gastronomie wieder heimische Eier kaufen – dann könnte es brenzlig werden. Derzeit kaufen Wirte vorwiegend im Ausland. Kommt sie schwach, ist die Versorgung gesichert. So oder so, die Eipreise können nur steigen, weil die Futterernte schlecht ist. Nichts wird billiger.
Alois Hütter,
Geschäftsführer Gnaser Frischei