Steinegger fordert treffsicheres Dürrepaket
Enorme Schäden in der Landwirtschaft
Weiden sind zu einem erheblichen Teil verdorrt, die Ernteeinbußen bei Futter liegen je nach Standort bei bis zu 80 Prozent. Vielfach werden jetzt schon die Wintervorräte verfüttert. Die von Präsident Andreas Steinegger ins Leben gerufene gemeinsame Futtervermittlung von Kammer, Maschinenring, Bio Austria-Steiermark und Obersteirischem Maschinenring läuft auf Hochtouren (Seite 4). Ebenso sind Almen teils stark betroffen. Massiv leiden auch Ackerfrüchte, Äpfel, Holunder und Beeren. Sehr traurig ist die Lage auf sandig-schottrigen Böden – Kulturen wie Mais, Kürbis oder Soja sind nachhaltig geschädigt. Die Österreichische Hagelversicherung beziffert die bisherigen Dürreschäden in der Steiermark mit 140 Millionen Euro, weitere 39 Millionen Euro kommen durch Frost, Hagel, Sturm und Überschwemmung hinzu, wie Landesleiter Josef Kurz vorrechnet. Bundesweit erreichen die Dürreschäden mit einer Milliarde Euro einen Rekordwert.
Entlastungspaket
Kammerpräsident Andreas Steinegger drängt angesichts der dramatischen Schäden eindringlich auf ein Dürrepaket zur finanziellen Entlastung und Sicherung der Liquidität der Betriebe: „Die Hilfe muss rasch, unbürokratisch und treffsicher ankommen. Eine schnelle Hilfe wäre das Aussetzen eines Quartals der Sozialversicherungsbeiträge.“ Weiterer Teil des geforderten Dürrepaketes sind zinsfreie Liquiditätsüberbrückungen. Hier macht Raiffeisen Steiermark einen Vorstoß und vergibt zinsenlose Kredite bis 15.000 Euro für Betriebsmittelkäufe (Seite 4). Zur vorübergehenden Liquiditätssicherung setzt sich Steinegger zudem für die Stundung der Agrarinvestitionskredite zur kurzfristigen Überbrückung ein.
Ringen um Finanzierung
In Wien wird indessen um die Finanzierung der Dürrehilfe gerungen, wofür es zusätzliche Mittel vom Finanzministerium braucht. Minister Totschnig: „Umschichtungen allein im Agrarministerium reichen nicht.“ Druck kommt auch von den Ländern. Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer fordert den Finanzminister zum Handeln auf: „Er muss den notwendigen Spielraum für rasche und unbürokratische Hilfe schaffen.“
Gefordertes Dürrepaket
Das von Präsident Andreas Steinegger geforderte Dürrepaket zielt auf Entlastung und Liquidität.
- Spürbare Entlastung bei der Sozialversicherung
Am raschesten geholfen wäre mit dem Aussetzen eines Quartalsbeitrages. - Zinsfreie Überbrückungskredite
Sichert vorübergehend die Liquidität der Betriebe bei Betriebsmittelzukäufen. - Stundung von Agrarinvestitionskrediten
Kann in wirtschaftlicher Notlage eine wichtige Liquiditätshilfe sein.
Dringende Appelle von Steinegger:
- Schlachthöfe, Viehhändler Lebendimporte von Schlachtrindern vorübergehend auszusetzen, um den Preisdruck zu reduzieren.
- Groß- und Einzelhandel sowie Gastronomie den klaren Fokus auf heimische Lebensmittel statt Importware zu setzen, um wirtschaftlich vertretbare Preise zu erzielen.
- Konsumenten und Bauern heimische Produkte zu kaufen – das ist unsere Staatsbürgerpflicht in dieser Ausnahmesituation.
Totschnig ringt um Gelder für Dürrepaket
Angesichts der dramatischen Schadenslage drückt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig aufs Tempo für ein Dürrehilfspaket: „Betroffen sind alle Bundesländer. Hinter den historischen Dürreschäden stehen vernichtete Ernten, fehlendes Futter und Bauernfamilien, die in einer wirtschaftlich und emotional schwierigen Lage, um die Zukunft ihrer Betriebe kämpfen – außergewöhnliche Situationen verlangen nach außergewöhnlichen Maßnahmen.“ Der Landwirtschaftsminister drängt auf ein Unterstützungspaket für alle bäuerlichen Familienbetriebe. Doch die Finanzierung der Dürrehilfe wird aktuell vom Finanzministerium blockiert. Schützenhilfe kommt von den Ländern. Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer fordert Finanzminister Marterbauer zum Handeln auf: „Die Dürre von heute ist die Inflation von morgen. Wenn Ernten ausfallen, Futter fehlt und landwirtschaftliche Betriebe ihre Produktion einschränken müssen, betrifft das nicht nur unsere Bauernfamilien, sondern alle Steirerinnen und Steirer. Finanzminister Markus Marterbauer muss deshalb jetzt den notwendigen finanziellen Spielraum für eine rasche und unbürokratische Dürrehilfe schaffen.“ „Innerhalb weniger Tage nach der Schadenserhebung überweisen wir. Bei der Dürreindexversicherung für Grünland und Frühjahrskulturen wird die Entschädigung nach Ablauf des Beobachtungszeitraums ausbezahlt – konkret ab Mitte September“, teilt Landesleiter Josef Kurz auf Anfrage der Landwirtschaftlichen Mitteilungen mit. Eine Erhöhung der Versicherungsprämien stünde, so der Landesleiter, nicht im Raum. Zur Abfederung der Schäden kommt der Österreichischen Hagelversicherung eine wichtige Rolle zu, unterstreicht auch Präsident Andreas Steinegger. Die Durchversicherungsrate ist in der Steiermark hoch. 85 Prozent der Ackerflächen sind gegen Hagel und weitere Elementarschäden wie Dürre versichert. Bei Grünland sind gegen Hagel 60 Prozent versichert, davon zwei Drittel auch gegen Dürre. Neben seiner Forderung nach einem Dürrehilfspaket richtet der Kammerpräsident auch gezielte Appelle an:
„Attraktive nationale Unterstützungen sind im Interesse der Bevölkerung und sie sichern unsere Lebensmittelversorgung“, gibt Präsident Steinegger die Richtung vor. Im Ackerbau wird der Humusaufbau noch stärker in den Fokus rücken, um Dürreperioden durch mehr Wasserspeicherung im Boden besser abfedern zu können. „Dazu haben unsere Experten jahrelange Erfahrung in der Beratung und Versuchswirtschaft“, unterstreicht Steinegger. Und im Grünland werden dichte Grasbestände mit der Nachsaat von hitze- und trockenheitstoleranteren Gräsern immer wichtiger. Zu speziellen Anforderungen der verschiedenen Standorte beraten die fachkundigen Grünlandexperten der Kammer.
- Schlachthöfe und Viehhändler, Lebendimporte vorübergehend auszusetzen, um den Preisdruck zu reduzieren.
- Einzel- und Großhandel sowie Gastronomie, heimische Lebensmittel statt Importware anzubieten sowie an die
- Konsumenten und Bauern, heimische Lebensmittel zu kaufen.
„Attraktive nationale Unterstützungen sind im Interesse der Bevölkerung und sie sichern unsere Lebensmittelversorgung“, gibt Präsident Steinegger die Richtung vor. Im Ackerbau wird der Humusaufbau noch stärker in den Fokus rücken, um Dürreperioden durch mehr Wasserspeicherung im Boden besser abfedern zu können. „Dazu haben unsere Experten jahrelange Erfahrung in der Beratung und Versuchswirtschaft“, unterstreicht Steinegger. Und im Grünland werden dichte Grasbestände mit der Nachsaat von hitze- und trockenheitstoleranteren Gräsern immer wichtiger. Zu speziellen Anforderungen der verschiedenen Standorte beraten die fachkundigen Grünlandexperten der Kammer.
Futtervermittlung auf Hochtouren
Gemeinsam mit den Partnern Maschinenring Steiermark, Obersteirischer Maschinenring und Bio Austria Steiermark hat die Kammer nach wochenlangen Vorbereitungen eine Futtervermittlungsoffensive auf die Beine gestellt. „Die ersten Grundfutterlieferungen sind bereits auf Betrieben mit Futtermangel angekommen – sie laufen seit gut einer Woche“, unterstreicht Präsident Andreas Steinegger, Initiator dieser Futtermitteloffensive, die mittlerweile österreichweit läuft. Und weiter: „Wir unternehmen alles und loten alle Möglichkeiten aus, um den Futterbedarf so gut wie möglich zu decken.“ Besonders bedankt sich Steinegger auch bei jenen bäuerlichen Futtervermittlern, die in Nachbarschaftshilfe den Berufskollegen unkompliziert bei der Futterbeschaffung helfen. Bereits im April hat die Kammer eine Arbeitgruppe Trockenheit installiert.