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Speicherbecken: Wasser von Starkregen und Drainagen

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02.07.2026

Besonders nachhaltig: Mit Drainagen- und Oberflächenwasser wird das Speicherbecken gespeist. Die Bauzeit betrug nur ein Jahr.

Speicherbecken © Pistpixel
© Pistpixel
Die Obstbaubetriebe Darnhofer, Rasser und Schreiner haben in Klettendorf in der Gemeinde Puch bei Weiz ein Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von 20 Millionen Liter Wasser errichtet. Obstbauexperte Herbert Muster sprach mit Wolfgang Schreiner über die Umsetzung dieses Zukunftsprojektes.

Wie kam es zu diesem ­Bewässerungsprojekt?

WOLFGANG SCHREINER: Sogar auf höher gelegenen Gunstlagen kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Ernteausfällen durch Frost. Für die Weiterführung des Betriebes war also entschlossenes Handeln notwendig. Nur dann Äpfel zu haben, wenn es eine Vollernte gibt ist wirtschaftlich nicht tragbar. Gleichmäßige Ernten sind auch für die gesamten Vermarktungsstrukturen wichtig, um verlässliche Kundenbeziehungen zu haben. Zur bestmöglichen Spätfrostabwehr, gibt es keine bessere Methode als die Überkronenberegnung.

Welche Schritte führten von der Idee zur Umsetzung?

Aufgrund der kleinteiligen Flächen, war ein Teichprojekt auf eigenem Grund jedoch nicht möglich, also holte ich die beiden Nachbarn Christian Darnhofer und Markus Rasser ins Boot. Trotz verschiedener Charaktere und großem Altersunterschied haben wir bald festgestellt, dass wir uns sehr gut ergänzen und von der Bündelung unserer Stärken profitieren können. Im Zuge der Projektumsetzung hat sich zunehmend gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, echte Freundschaften haben sich entwickelt.

Sie hatten kaum Wasser. Wie haben Sie das gelöst?

Wir hatten weder eine starke Quelle, noch Fließgewässer oder Grundwasser. So war klar, dass wir mit dem Wasser aus den eigenen Tiefdrainagen der Obstflächen und dem Oberflächenabfluss bei Starkregen auskommen müssen. Erste eigene Überschlagsrechnungen bei einer konsequenten Rückgewinnungsstrategie stimmten uns dennoch hoffnungsfroh.

Wann begannen Sie dann mit dem Projekt?

Im Herbst 2024 stellten wir die ersten gemeinsamen Überlegungen an und Ende 2024 hat der Bagger erste Probegrabungen gemacht. In den Schürfgruben wurden Sand- und Gleitschichten sichtbar, die wir nicht ganz kritisch beurteilten. Zur geologischen Bewertung beauftragten wir einen Geologen und für die erste Grobplanung die Planungs- und Ziviltechnikfirma Ingenos. Mit der Grobplanung bekamen wir erstmals eine Vorstellung von der Dimension des Projektes und eine grobe Kostenschätzung.

Wie verliefen die Genehmigungsverfahren?

dungsgenehmigung für eine Waldfläche und die wasserrechtliche Bewilligung. Wir beauftragten die Ziviltechnikfirma folglich mit der Detailplanung, die auch die umfassenden Unterlagen für die wasserrechtliche Bewilligung erstellte wofür auch ein geologisches Gutachten und Statikberechnungen notwendig waren. 
Die Zusammenarbeit mit der Forstbehörde, der Wasserrechtsbehörde, der Baubezirksleitung und der Gemeinde verlief ausgesprochen konstruktiv und kooperativ – wir erhielten die Baugenehmigung in nur zwei Monaten. Eine zusätzliche Verhandlung wurde notwendig, weil Anrainer ihre Brunnen gefährdet sahen. Hierfür wurde ein hydrologisches Gutachten eingeholt und die Abteilung 14 des Landes Steiermark eingebunden – die Bedenken der Brunnenbesitzer konnten ausgeräumt werden.

Wie hat die Bevölkerung auf den Bau reagiert?

Um mögliche Vorbehalte und Missverständnisse frühzeitig auszuräumen, setzten wir auf eine transparente Kommunikation. Wir luden regelmäßig zu Besichtigungen, auf Anliegen und Bedenken reagierten wir direkt. Gleichzeitig war die Baustelle außerhalb der Bauzeiten für die Bevölkerung zugänglich. Das stärkte das gegenseitige Verständnis. So gelang es das Projekt im besten Einvernehmen umzusetzen.

Was war für die Einrichtung der Baustelle nötig?

Im April 2025 begannen die ersten Grabungsarbeiten. Zunächst wurde eine zentrale, LKW-taugliche Zufahrt hergestellt, anschließend ein kleiner Wald gerodet, die Wurzelstöcke entfernt, geschreddert und abtransportiert. Danach startete der eigentliche Bau des Speicherbeckens.

Wie verliefen die Aushubarbeiten?

Schon bald zeigte sich, dass das anstehende Material deutlich komplizierter war als ursprünglich angenommen. Zahlreiche Gleitschichten mussten aufgebrochen und mit dem übrigen Material durchmischt werden. Insgesamt wurde der Boden im Zuge der Arbeiten zumindest zweimal vollständig umgelagert. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten konnte keine Schubraupe eingesetzt werden, sämtliche Arbeiten mussten daher mit Baggern ausgeführt werden. In der Spitzenphase waren bis zu fünf Bagger gleichzeitig im Einsatz. Zusätzlich mussten rund 3.500 Kubikmeter Erdmaterial zum Masseausgleich angeliefert werden. Durch die schwierigen Bodenverhältnisse erwies sich der Bau als deutlich aufwendiger als angenommen.

Der Hang musste sogar stabilisiert werden.

Dazu waren mehrere Stützrippen erforderlich, der ursprünglich geschätzte Aufwand für die Grabungsarbeiten verdoppelte sich nahezu. Zudem stellte sich das Material als zu durchlässig heraus, weshalb das gesamte Becken mit einer Folie abgedichtet werden musste. Letztlich führten die nur eingeschränkt vorhersehbaren Bodenverhältnisse zu einer deutlichen Bauzeitverlängerung und zu erheblichen Kostensteigerungen. Die Anlage konnte schließlich Mitte April 2026 fertiggestellt werden, gerade rechtzeitig vor den kritischen Frostnächten Ende April. Durch die Inbetriebnahme konnten wir heuer bereits Frostschäden wirksam verhindern.

Wie fassen Sie das Oberflächenwasser und jenes der Drainagen?

Der Folienteich fasst rund 20 Millionen Liter Wasser, verfügt über eine Oberfläche von etwa 5.000 Quadratmeter und erreicht an seiner tiefsten Stelle eine Tiefe von 8,5 Meter. Um möglichst viel Oberflächenwasser zu nutzen, wurden flache Schotterkanäle angelegt, die das Wasser direkt in das Speicherbecken leiten. Dadurch kann überschüssiges Wasser, das bei Starkregenereignissen oder im Zuge der Frostberegnung anfällt, von einer Fläche von rund zehn Hektar gesammelt und im Kreislauf gehalten werden.

Wofür verwenden Sie die Elektropumpen?

Zusätzlich werden die tief liegenden Drainageleitungen von einer Fläche von sechs Hektar unterhalb des Speicherbeckens in drei zentrale Sammelbereiche geführt. Dort wurden Betonschächte eingesetzt, aus denen Elektropumpen das Wasser kontinuierlich in das Speicherbecken fördern. Die drei installierten Elektropumpen verfügen gemeinsam über eine Förderleistung von 160.000 Liter pro Stunde. Für ihren Betrieb steht ein Stromanschluss mit einer Leistung von 30 kW zur Verfügung. Die Steuerung der Pumpen erfolgt automatisch entsprechend der Wasserstände.

Sie steuern die Frostberegnung mit einer App ...

... für eine möglichst wasserschonende Frostberegnung wurde die Fläche nach Höhenstufen und Sorten in einzelne Sektoren unterteilt. Analog zur Einteilung der Sektoren erfolgt auch die Überwachung mit Temperatur- und Windsensoren. Erreichen die Messwerte zuvor definierte kritische Schwellen, wird automatisch Alarm ausgelöst. Die Beregnungsaggregate können daraufhin bequem per App aktiviert werden. Lediglich das Zu- und Abschalten der einzelnen Sektoren erfolgt manuell vor Ort. Bei Inbetriebnahme ist eine Funktionskontrolle vor Ort wirklich sinnvoll – die mechanische Bedienung der Sektoren ist tatsächlich am zweckmäßigsten. 
Apfelbau © AMA/Siebenhandl
Der heimische Apfelanbau steht vor einem neuerlichen Schub in ­Richtung ­Professionalität und ­Innovationen © AMA/Siebenhandl

Wasser ist der Schlüssel für heimischen Obstbau

Seit zehn Jahren entscheidet oft eine Frostnacht über Ernte oder Missernte. Betrachtet man die vergangenen 15 Jahre, traten jedes Jahr zur Blütezeit grenzwertige Temperaturen auf. Dabei lagen die Werte in einzelnen Jahren nur knapp oberhalb der Schadensgrenze, ein vollständig unkritisches Jahr ohne Frostereignisse oder Sorge vor Schäden gab es in diesem Zeitraum nicht. Etwa ein Viertel der Apfelanbaufläche ist seither verloren gegangen. „Jedes Jahr wird zur Zitterpartie“, sagt Herbert Muster, Leiter der LK Obstbauabteilung. Nicht nur für die Obstbäuerinnen und Obstbauern ist diese Unsicherheit psychisch und wirtschaftlich kaum verkraftbar, auch für die Vermarktung ist dieser Umstand schwierig – für die nationalen und internationalen Abnehmer ist man ein unsicherer Partner. Bei einzelnen sehr guten Ernten wie 2018 fehlen die Exportkunden.

Wasser ist Schlüssel
„Deshalb sind stabile Ernten das Um und Auf. Wasser ist dafür ein zentraler Schlüssel“, sagt Muster. Wasser zur Frostberegnung, Wasser zur Bewässerung bei Trockenheit und mittlerweile auch zur Kühlung bei Hitze. Obstbauexperte Herbert Muster geht davon aus, dass bis 2030 etwa die Hälfte der steirischen Apfelanlagen Speicherbecken zur Bewässerung haben werden, ein Großteil davon wird auch für die Frostberegnung nutzbar sein. Für die Errichtung von Speicherbecken zur Forstberegnung und Bewässerung hat Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer eine attraktive Förderung von insgesamt 65 Prozent auf die Beine gestellt. Seither sind zahlreiche Projekte umgesetzt worden. Die Grundberatung dazu macht das Obstbaureferat der Kammer, das auch eruiert, inwieweit die Wasserverfügbarkeit gegeben ist. In diesem Zusammenhang betont Muster „die gute Kooperationsbereitschaft“ der Behörden. Auch mit zusätzlichen Kulturschutzmaßnahmen stemmen sich die Obstbauern gegen die katastrophalen Folgen des Klimawandels. Muster: „Mit Hagelnetzen, Regendächern zum Beispiel bei Kirschen und Beeren, Lagenbereinigungen, aber auch neuen Sorten oder durch Veredelung ihrer Früchte stemmen sich die dynamischen Obstbauern gegen die Folgen der Wetterextreme und der sich stark ändernden Marktbedingungen.“ Doch der Wandel prägt den heimischen Obstbau stärker denn je und er verläuft rasant. „Selbst innerhalb einer Generation sind einschneidende Umbrüche zu bewerkstelligen“, sagt Muster und betont: „Entschlossenheit und Gestaltungsbereitschaft sind für die Produzenten entscheidend.“ 

Was zeichnet sich zusätzlich kurz- und mittelfristig ab? Umbrüche am Arbeitsmarkt und eine zunehmende Konzentration im Lebensmittelhandel sorgen für zusätzlichen Druck auf die Betriebe. Dem gegenüber stehen neue Chancen: Technologische Innovationen, die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnen neue Möglichkeiten. Früchte verlieren ihre Saisonalität, Konsumenten erwarten ganzjährige Verfügbarkeit. Regionalität wird zwar betont, doch oft entscheidet der Preis. Gleichzeitig wächst die Unterstützung für die heimische Produktion, Versorgungssicherheit gewinnt an Gewicht. Obstbauern stehen unter Anpassungsdruck, dürfen aber hoffen, dass ihre Arbeit wieder mehr geschätzt wird und die Produktivität wieder einen Stellenwert bekommt.

Vollprofis
Der heimische Apfelanbau steht vor einem neuerlichen Schub in Richtung Professionalität und Innovationen – vom Betriebsmanagement bis zum Pflanzenschutz. Eine weitere Professionalisierung ergibt sich zwangsläufig aufgrund neuer Möglichkeiten. Nachdem es der Bauernvertretung gelang, die EU-Verordnung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) zu verhindern – sie sah eine 50-prozentige Reduktion von Pflanzenschutzmittelnvor – beschäftigt sich die Branche derzeit mit den noch verfügbaren Mitteln und Notfallzulassungen zur Schädlingsbekämpfung. Muster ist optimistisch: „Die Stimmung scheint sich zu drehen. Die Bedeutung der Pflanzenschutzmittel wird zunehmend differenzierter betrachtet.“ Im ersten Schritt geht es darum, die noch vorhandenen Wirkstoffe zu sichern und in weiterer Folge neue Möglichkeiten zu schaffen.

Im Hintergrund wird auch an der Ausbringtechnik mit Drohnen und Sprühroboter sowie an der Resilienz des Pflanzguts gearbeitet. „Technik, die künftig die Obsternte und die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln übernehmen, ist keine allzu ferne Zukunftsmusik mehr“, sagt der Experte. Auch beim Pflanzgut ist mittelfristig ein gravierender Fortschritt zu erwarten. Hier sind hitze- und frosttolerantere Sorten wesentlich schneller zu erwarten. Mit der neuen Pflanzenzüchtung wird dies möglich werden.

Autor: Rosemarie Wilhelm

Zahlen und Fakten

  • 7.900 Hektar Obst wird in der Steiermark angebaut, davon 4.750 Hektar Apfel. Seit 2010 ist die Apfelanbaufläche um ein Viertel geschrumpft.
  • 16 bis 17 Kilo Äpfel verbraucht jeder Österreicher pro Jahr, 90 Prozent davon kommen aus Österreich, davon wieder 75 Prozent aus der Steiermark. Es ist das beliebteste Obst.

Aus erster Hand

Seit gut 20 Jahren nehmen in der Steiermark die Extremwetterereignisse deutlich zu. Gleichzeitig werden die Winter milder und die Dauer der Schneebedeckung nimmt ab. Die steigenden Temperaturen führen dazu, dass die Obstbäume deutlich früher blühen. War die Hauptblüte beim Apfel vor wenigen Jahrzehnten noch Anfang Mai, ist sie aktuell um gut zwei Wochen früher. Die Zeitspanne, in der Spätfröste auftreten, hat sich jedoch kaum verändert. Nach wie vor ist erst ab Mitte Mai, nach den Eisheiligen, die Gefahr von Minustemperaturen weitgehend vorbei. Auch heuer sind am 13. Mai noch einmal die Temperaturen ins Minus gerutscht. Durch die längere frostkritische Phase hat sich das Risiko für den Obstbau erheblich erhöht. Gleichzeitig wechseln sich warme und kalte Wetterlagen zunehmend rascher ab. Auf ungewöhnlich hohen Temperaturen können innerhalb weniger Tage oder gar Stunden, markante Kälteeinbrüche folgen. Auch heuer, als Ende April Temperaturen von nahezu 30 Grad Celsius erreicht und nur vier Tage später Minusgrade gemessen wurden. Spätfrost ist in der Steiermark seit Jahren nicht mehr die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel. Immer häufiger sind auch Gunstlagen betroffen, die früher so gut wie keinen Spätfrost kannten. Als Folge kam es in den vergangenen elf Jahren dreimal zu frostbedingten Ernteausfällen von mehr als 50 Prozent der Gesamternte. Gleichzeitig konnte nur in einem einzigen Jahr eine Vollernte erzielt werden. Betrachtet man die vergangenen 15 Jahre, traten zur Blütezeit jedes Jahr grenzwertige Temperaturen auf. Dabei lagen die Werte in einzelnen Jahren nur knapp oberhalb der Schadensgrenze, ein vollständig unkritisches Jahr ohne Frostereignisse oder Sorge vor Schäden gab es in diesem Zeitraum nicht. Mittlerweile besteht weitgehend Einigkeit, dass wirksamer Frostschutz eine wesentliche Voraussetzung ist, um die heimische Obstproduktion langfristig zu sichern. Aber auch dann bleibt ungewiss, wie schnell sich das Klima in den kommenden Jahren weiter verändern wird und ob das Ausmaß der Folgen für die Landwirtschaft beherrschbar bleibt.

Herbert Muster, Leiter Obstbaureferat
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