Schlüssel für stabile Erträge durch mehr Wasser im Boden
Die klimatischen Veränderungen konfrontieren die Landwirtschaft zunehmend mit einer ungleichmäßigen Niederschlagsverteilung. Phasen ausgeprägter Sommertrockenheit wechseln sich mit Starkregenereignissen ab. Die Infiltrationsleistung landwirtschaftlicher Böden – also das Vermögen, Niederschlagswasser rasch aufzunehmen und weiterzuleiten – wird damit zu einem entscheidenden Faktor für die Resilienz des Pflanzenbaus.
Bodenverdichtung
Neben der Bodenart bestimmen vor allem die Aggregatstabilität und das Porensystem die Infiltrationsleistung. Ein ausgewogenes Porensystem entscheidet darüber, ob Niederschlag als wertvolles pflanzenverfügbares Wasser im System verbleibt oder ungenutzt oberflächig abfließt. Negativ auf die Infiltration wirken im Ackerbau vor allem die Oberflächenverschlämmung und die Bodenverdichtung. Eine tiefe, wendende Bodenbearbeitung vor dem Winter führt in der Regel zu instabilen Aggregaten und zu einer Zerstörung von Grobporen in tiefere Schichten des Bodens. Diese Poren bringen aber nach stärkeren Niederschlagsereignissen wieder Luft in den Boden und sind unverzichtbar für einen ausgeglichenen Luft-Wasserhaushalt des Bodens. Instabile, nicht lebend verbaute Aggregate erhöhen die Gefahr der Verschlämmung.
Schwere Maschinen
Verdichtungen entstehen durch den Einsatz schwerer Maschinen bei zu feuchten Bodenbedingungen oder dem Einsatz von Bodenbearbeitungsgeräten zu ungünstigen Bodenbedingungen. Bei Pflug, Grubber aber auch Scheibeneggen können Verdichtungs- und oder Schmierhorizonte in unterschiedlichen Tiefen entstehen und so die Versickerung und den Luftaustausch ganz wesentlich behindern. Auch der kapillare Wasseraufstieg aus tieferen Bodenhorizonten und das Wurzelwachstum werden negativ beeinflusst. Um die Versickerungsrate und das Wasserspeichervermögen nachhaltig zu sichern oder zu steigern, muss das Augenmerk auf dem Erhalt eines kontinuierlichen, vertikalen Porensystems, einer hohen Aggregatstabilität und einer guten Bodenstruktur liegen. Die wichtigsten Maßnahmen dazu sind rechts angeführt. Maßnahmen wie Zwischenfruchtanbau, mechanische Verdichtungsbeseitigung oder Mulchsaaten zeigen ihre positive Wirkung bei richtiger Umsetzung bereits im ersten Jahr der Anwendung. Die effektive und ökonomische Umsetzung von Direktsaaten oder der Aufbau von Humus sind hingegen mittel- und langfristige Ziele.
Versuch Jagerberg
In einem sechsjährigen Versuch in Jagerberg in der Südoststeiermark wurde ein Erosionsschutzversuch der LK-Steiermark gemeinsam mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft in Petzenkirchen durchgeführt. Im Versuch sind sehr einfache Maßnahmen gegen Erosion und Oberflächenabfluss im Maisbau getestet worden. Dabei brachte der Einsatz von Grubber statt Pflug bereits eine Reduktion der Erosion um 60 Prozent und eine Reduktion des Oberflächenabflusses um 20 Prozent. Der Einsatz von Begleitsaaten zum Maisanbau konnte die Erosion nur um 40 Prozent reduzieren, der Oberflächenabfluss ist allerdings um 38 Prozent zurückgegangen. Dieser verminderte Abfluss wird stattdessen im Boden gehalten und kann in längeren niederschlagsfreien Zeiten Trockenschäden reduzieren und die Ertragsstabilität erhöhen.
Aufnahme optimieren
- Verzicht oder Reduktion auf wendende Bodenbearbeitung
- Mulch- und Direktsaat
- Humusaufbau als Universalmaßnahme
- Förderung der Bodenbiologie und des vertikalen Porensystems durch Zwischenfrüchte Beseitigung von Verdichtungen
- Kalkung zur Aggregatstabilisierung
- Bodenschonende Technik (Reifendruckanlagen, Ballastierung, etc.) und Berücksichtigung der Bodenfeuchte vor Überfahrten
- Erweiterte Erosionsschutzmaßnahmen auf Hangflächen