„Meinen Tieren soll es gut gehen“
Die Haltungsbedingungen für Rinder, Schafe, Schweine und Co. werden immer besser. Bäuerinnen und Bauern, die in neue Ställe investieren, setzen Tierwohl in ihrer Prioritätenliste ganz nach oben. Denn gesunde Tiere, denen es gut geht, erbringen mehr Leistung. Diese Leistungen wurden kürzlich von der Tierschutzombudsstelle des Landes mit einem Baupreis gewürdigt. Neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse werden in Beton, Holz und Stahl umgesetzt. Das kostet Geld. „Hier müssen die bäuerlichen Bauherrinnen und Bauherren den Spagat zwischen Raum, Ausstattung und Wirtschaftlichkeit schaffen. Viele erreichen dies mit hoher Eigenleistung. Wichtig ist derzeit auch, mehrere Vergleichsangebote einzuholen“, betont der Leiter der LK-Bauabteilung Thomas Pfeiffer, dessen Team zwei der vier Siegerprojekte (unten) plante. „Ich freue mich außerordentlich, dass der Preis für besonders tierfreundliches Bauen heuer wieder vergeben wird und wir damit wegweisende Projekte ins Rampenlicht rücken können”, betonte Karoline Schlögl bei der gemeinsamen Überreichung der Preise an die vier Siegerprojekte (unten) mit Tierschutzlandesrat Hannes Amesbauer und Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer. Amesbauer: „Tierwohl und eine leistungsfähige Landwirtschaft sind kein Widerspruch, sondern gehören untrennbar zusammen. Die ausgezeichneten Betriebe zeigen, dass moderne Stallkonzepte, hohe Haltungsstandards und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können.“ Simone Schmiedtbauer betonte: „Wer in tierfreundliches Bauen investiert, investiert nicht nur in das Wohl der Tiere, sondern auch in die Qualität unserer heimischen Lebensmittel und in die Zukunft der Landwirtschaft. Die ausgezeichneten Betriebe sind starke Vorbilder und zeigen eindrucksvoll, wie moderne Ställe zum Gewinn für Tier, Mensch und Betrieb werden.” Lesen Sie nachfolgend die Kurzporträts der Ausgezeichneten.
Baupreis für tierfreundliche Ställe
Seit 2010 wird der Tierschutzpreis für besonders tierfreundliches Bauen im ländlichen Raum von der Tierschutzombudsstelle des Landes Steiermark veranstaltet. Die Jury aus Fachleuten der Tierschutzombudsstelle, der Abteilung 10 Land- und Forstwirtschaft, der Abteilung 13 Umwelt und Raumordnung, der Landesveterinärdirektion und der Landwirtschaftskammer besichtigt jeden nominierten Betrieb persönlich. Vier Preisträger werden gekürt und erhalten ein Preisgeld von je 1.500 Euro. Zusätzlich wird das schönste Tierfoto mit Sachpreisen belohnt. Einreichen können alle Betriebe, die in den vergangenen sieben Jahren einen Nutztierstall errichtet haben, online im März und April.
Stall sollte Herz des Hofes bleiben
Barbara Harling, Groß St. Florian. Auf die grüne Wiese wollte Barbara Harling den neuen Stall nicht hinstellen. Durch Gelände und bestehende Fahrsilos begrenzt, tüftelte Barbara Harling zwei Jahre lang am Bauplan und holte sich dabei Ideen aus den Landwirtschaftlichen Mitteilungen, Podcasts, Büchern und Planungsfirmen. Der Baubestand und der Zubau sollten zu einem zeitgemäßen Laufstall verschmelzen. „Sogar während des Bauens änderte ich am Plan noch Kleinigkeiten“, gibt sie zu. Aber es hat sich gelohnt. „Unsere Damen haben Hörner, da ist es besonders wichtig, dass es keine Sackgassen gibt.“ Die Milchleistung des konventionellen Betriebes ist nun deutlich höher als im alten Anbindestall. Die Tiere fühlen sich wohl und danken es mit Gesundheit und Milchleistung. Die Kühe haben nicht nur einen befestigten Auslauf, sondern auch ständigen Zugang zur Weide. Für Sauberkeit sorgt ein Entmistungsroboter, für Fresslust ein automatischer Futteranschieber und ein Melkroboter erledigt die wichtigste Arbeit im Milchviehstall. Vom Hofladen aus ist die Abkalbebox zu sehen. Und auch der übrige Stall ist gut einsehbar. Schließlich war es Harling wichtig, dass auch ihre behörnten Kühe den Stall überblicken können. Sie hat es geschafft, dass ihre „Mitarbeiterinnen“ im Herzen ihres Hofes geblieben sind, was sie mit Stolz erfüllt – und das zurecht.
Vom Stall auf den Teller in wenigen Metern
Peter Smolana, Deutschlandsberg. Peter Smolana ist Wirt. Rindfleisch dominiert die Speisekarte seines Bio-Hotels Koralpenblick. Kein Wunder! Kommt es doch gleich aus seinem neuen Bio-Stall nebenan. Und aus dem neuen Schlachtraum mit Fettabscheider. Und die Gerätehalle fand im neuen Gebäude ebenso Platz, wie das Getreidelager mit Trocknung. Das Stalldach liefert Strom fürs Hotel. „Ich hatte zuvor Platzprobleme an allen Ecken und Enden“, beleuchtet er seine Motivation für sein Projekt, welches von der Landwirtschaftskammer geplant wurde. Der neue Tretmiststall für 44 Rinder ist in derselben Achse wie der bisherige Stall errichtet worden. Das ermöglichte, dass das automatische Einstreusystem für beide Ställe nutzbar ist. Das Stroh wird von der Anlage gehäckselt und entstaubt. Der nach oben offene Lauf-Fressgang kann beheizt werden, damit der Schrapper auch in strengen Wintern funktioniert. Der Futtertisch ist natürlich überdacht. Die Hanglage wurde ausgenutzt, um über dem Liegebereich die Abstell- und Lagerflächen zu schaffen. Der Schlachtraum ist zwischen dem alten und neuen Stall angeordnet – so ist der letzte Weg seiner Bio-Rinder kurz. In seinem Alpengasthof verwendet Smolana zu 100 Prozent Bio-Produkte: „Rindfleisch und Fische produzieren wir selbst. Hendl- und Schweinefleisch kaufen wir zu.“ Mit dem neu errichteten Gebäude habe er seine Landwirtschaft abgerundet, sagt Smolana.
Drei „Zimmer“ zum Sauwohlfühlen
Helmut Jandl, Spielberg. Nach der Sonne baute Direktvermarkter Helmut Jandl seinen neuen Schweinemaststall: „Der Stall wurde so ausgerichtet und die Dächer so gestaltet, dass im Winter überall Sonne hin kann, aber im Sommer alles beschattet ist.“ Das tut den Tieren und Jandl selbst gut. Schließlich soll sich ja auch der Tierhalter bei der Betreuung seiner Schößlinge wohl fühlen. Die Buchten sind in drei Zonen aufgeteilt: Einem Warmstall mit planbefestigtem Boden, wo gefressen und getrunken wird. An der höchsten Stelle des Dachs gibt es einen Lüftungsschlitz, der für gute Luft sorgt. Der zweite Funktionsbereich ist Tiefstroh unter einem Flugdach. Und schließlich der Bereich dazwischen fürs Koten auf Spaltenboden. Trenngitter ermöglichen dort den Kontakt von einer Gruppe zur anderen, was ebenso zum Koten anregt. Die Schweine können hier ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben. Die Vormast geschieht in einem im Rahmen des Ibest-Projektes adaptierten Stall, die Hauptmast im neuen. Ein Teil der Schweine vermarktet Jandl über die Styriabrid. Hauptaugenmerk liegt aber auf der Direktvermarktung. Dafür kommen die Tiere in einen bestehenden Endmaststall am Hof. „Dort ist auch mein Schlachtraum. Der letzte Weg ist nur noch ein sehr kurzer“, ist Jandl auf seine möglichst stressfreie Schlachtung stolz. Das Konzept und Platzangebot überzeugten die Jury.
Trotz knappem Budget höchstes Tierwohl
Christof Großegger, Weißkirchen. Nebenerwerbslandwirt Christof Großegger ist auf der Suche nach einer Alternative zur Kombinationshaltung von sechs Milchkühen bei Schafen gelandet: „Wir haben uns für den Umbau ein Kostenlimit von 25.000 Euro gesetzt. Damit war klar, dass wir ganz viel Eigenleistung erbringen.“ Mit einem Minibagger wurde der alte Beton im Stall aufgebrochen, um mit neuem Beton ein einheitliches Niveau zu schaffen. Das nötige Bauholz schlug er im eigenen Wald und schnitt es mit einer Blochbandsäge auch selbst auf. „Lediglich Tore und Türen ließ ich anfertigen“, klärt er auf. Eingebaut hat sie die Familie selbst. Die Füllungen wurden mit Altholz gemacht, um das Erscheinungsbild harmonisch wirken zu lassen. Den 50 Mutterschafen der Rasse „Waldschaf“ stehen nun je drei Quadratmeter zur Verfügung und sie haben ständigen Zugang zur Koppel. Mit dem Umstieg von Rindern auf Schafe wurde das Betriebskonzept völlig neu gedacht. „Wir sind in die biologische Wirtschaftsweise und den Vertragsnaturschutz eingestiegen und züchten eine gefährdete Nutztierrasse“, beschreibt Großegger die Einkommensquellen aus öffentlichen Mitteln. Die Lämmer der Schafe gehen etwa zur Hälfte in den Zuchtviehverkauf sowie in die Fleischproduktion. Mit einem Partnerbetrieb wird dies mit regionaler Direktvermarktung noch abgerundet.
Weitere ausgezeichnete Betriebe
Maximilian Guster, St. Georgen/K
Ein Zubau gibt den Bio-Mutterkühen die Möglichkeit, sich auf der freien Liegefläche ein gemütliches Plätzchen zu suchen. Selbst gefertigte Fachwerkträger machten zusätzliche Stützen unnötig, der Dachaufbau erfolgte mit Rundholz, das händisch geschält wurde.
Andreas Koschak, Eibiswald
Ein Zubau mit Güllekeller gibt der Mutterkuhherde viel Platz. In den Strohliegeboxen und dem Kälberschlupf fühlen sich die zwölf Kühe und der Zuchtstier richtig wohl. Der alte Stall wurde umgebaut und enthält den Futtertisch. Die Kälber werden selbst aufgezogen und gemästet.
Maria und Johann Oswald, Edelschrott
Der Forstbetrieb hatte die Tierhaltung bereits aufgegeben. Mit Schafen gelang der Neustart, doch es wurde bald zu eng. Der neue Stall wurde aus eigenem Holz und mit enormem Fleiß in Eigenleistung errichtet. 250 Mutterschafe haben dem Betrieb neues Leben eingehaucht.
Stefanie und Florian Reinbacher, Edelschrott
Jede Gruppe im Bio-Mutterkuhstall hat einen eigenen sonnigen Auslauf. Ein Roboter hält die Laufflächen sauber. Ein offener Lichtfirst und Curtains aus drei Seiten bieten viel Frischluft. Das Projekt wurde im Jänner mit dem Baupreis der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet.
Monika und Johannes Tatzl, Schwarzautal
Der neue, helle Schweinestall bietet im Rahmen konventioneller Produktion besonders tierfreundliche Haltungsbedingungen. 84 produktive Zuchtsauen, 1 Eber, 21 Jungsauen und 408 Ferkel bis 30 Kilo finden darin ein neues Zuhause.
Bettina und Andreas Vorraber, Passail
Ziel des Neubaus war, mehr Tierwohl, besseres Weidemanagement und Erleichterung bei der täglichen Arbeit zu schaffen. Mit drei Ebenen (Strohbühne, Futtertisch, Tieflauffläche) und großzügigen Fensterbändern ist dies mit ganz viel Eigenleistung gelungen.
Ein Zubau gibt den Bio-Mutterkühen die Möglichkeit, sich auf der freien Liegefläche ein gemütliches Plätzchen zu suchen. Selbst gefertigte Fachwerkträger machten zusätzliche Stützen unnötig, der Dachaufbau erfolgte mit Rundholz, das händisch geschält wurde.
Andreas Koschak, Eibiswald
Ein Zubau mit Güllekeller gibt der Mutterkuhherde viel Platz. In den Strohliegeboxen und dem Kälberschlupf fühlen sich die zwölf Kühe und der Zuchtstier richtig wohl. Der alte Stall wurde umgebaut und enthält den Futtertisch. Die Kälber werden selbst aufgezogen und gemästet.
Maria und Johann Oswald, Edelschrott
Der Forstbetrieb hatte die Tierhaltung bereits aufgegeben. Mit Schafen gelang der Neustart, doch es wurde bald zu eng. Der neue Stall wurde aus eigenem Holz und mit enormem Fleiß in Eigenleistung errichtet. 250 Mutterschafe haben dem Betrieb neues Leben eingehaucht.
Stefanie und Florian Reinbacher, Edelschrott
Jede Gruppe im Bio-Mutterkuhstall hat einen eigenen sonnigen Auslauf. Ein Roboter hält die Laufflächen sauber. Ein offener Lichtfirst und Curtains aus drei Seiten bieten viel Frischluft. Das Projekt wurde im Jänner mit dem Baupreis der Landwirtschaftskammer ausgezeichnet.
Monika und Johannes Tatzl, Schwarzautal
Der neue, helle Schweinestall bietet im Rahmen konventioneller Produktion besonders tierfreundliche Haltungsbedingungen. 84 produktive Zuchtsauen, 1 Eber, 21 Jungsauen und 408 Ferkel bis 30 Kilo finden darin ein neues Zuhause.
Bettina und Andreas Vorraber, Passail
Ziel des Neubaus war, mehr Tierwohl, besseres Weidemanagement und Erleichterung bei der täglichen Arbeit zu schaffen. Mit drei Ebenen (Strohbühne, Futtertisch, Tieflauffläche) und großzügigen Fensterbändern ist dies mit ganz viel Eigenleistung gelungen.