Klimawandel setzt den Kulturen stark zu
Dritte Hitzewelle
Die dritte Hitzewelle dieses Jahres hat die Land- und Forstwirtschaft fest im Griff. „Die dramatischen Folgen des Klimawandels – wie derzeit Hitze und Trockenheit – sind generell unterschätzt. Nicht die Durchschnittswerte des Klimawandels setzen der Land- und Forstwirtschaft am stärksten zu, sondern die immer häufigeren Wetterextreme“, betont LK-Pflanzenbauchef Arno Mayer. Deshalb brauche es deutlich mehr Vorsorge als bisher, um die Lebensmittelversorgung auch künftig zu sichern und die Produktion zu erhalten.
Wasser entscheidend
Für Mayer ist klar: „Eine gute Ernte in Klimawandelzeiten darf kein Zufall sein. Das absolut entscheidende Betriebsmittel ist künftig das Wasser, nicht der Pflanzenschutz, die Sortenfrage oder der Dünger.“ Dabei helfen eine Vielzahl an kleinen wassersparenden Maßnahmen schon weiter, die ein Verdunsten oder Abfließen von Wasser verhindern. „Wir müssen das Regenwasser auf den Flächen halten, nicht abfließen lassen und die Böden müssen wieder viel stärker Wasser aufnehmen“, gibt Mayer die pflanzenbauliche Richtung vor. Unter wassersparendem Wirtschaften meint der Pflanzenbauchef zum Beispiel, das Wasserspeichervermögen durch Humus zu erhöhen, womit gleichzeitig im Ackerbau Erosionsschutz und Humusaufbau durch Zwischenfrüchte ins Spiel kommen. Humus wirkt wie ein natürlicher Wasserspeicher. Er kann das bis zu Zehnfache seines Eigengewichts an Wasser binden. Durch entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen können Ackerflächen um bis zu 20 Liter pro Quadratmeter mehr Wasser halten. „Pro Hektar sind das maßgebliche 200.000 Liter“, rechnet Mayer vor.
Nur Gewitterregen
Die zuletzt leider nur vereinzelten Gewitterregen haben im steirischen Ackerbau nur sehr bedingt die Trockenheit entschärft. Der Großteil der Kulturen wie Mais, Kürbis und Soja leidet massiv unter der Trockenheit, vor allem auf sandigen Böden sind die Kulturen nachhaltig geschädigt. Problematisch ist auch, dass nach der vielfach noch zufriedenstellenden Getreideernte das Saatgut der Zwischenfrüchte nicht keimen kann – es fehlt das Wasser. Im Murtal sind auch Speise- und Saatkartoffeln auf sandigen Böden stark betroffen. Selbst ein Regen hilft nicht mehr, dass sie weiterwachsen. Die bisherigen Grünlanderträge sind je nach Region und Lage unterschiedlich. Angespannt ist die Situation auf Süd- und Südwesthängen in den Regionen Murtal und Murau, in der Ost- und Weststeiermark, teils ist die Grasnarbe schon geschädigt. Im Murtal sind auch sandig-schottrige Böden in Tallagen stark betroffen. In exponierten Lagen liegen die Ertragsausfälle bisher bei bis zu 70 Prozent. „Schwierig ist die Situation teils auf den Almen. Teilweise muss sogar Wasser hinaufgebracht werden, um die Tiere zu tränken“, sagt Toni Hafellner, Obmann des Almwirtschaftsvereins.