EU stoppt Import von Fleisch aus Brasilien
Brasilien bleibt den Nachweis schuldig, dass seine Rinder für den Export ohne Antibiotika und Wachstumsförderer gemästet werden. Zum frühest möglichen Zeitpunkt hat nun die EU die Stopptaste gedrückt: Seit 3. September ist Brasilien für Fleischimporte in die EU gesperrt. Dicht sind die EU-Grenzen für das südamerikanische Mercosur-Land neben Rindern auch für Hühnerfleisch, Aquakulturen, Pferdefleisch und Honig. „Der Einfuhrstopp ist die logische Konsequenz“, unterstreicht Kammerpräsident Andreas Steinegger und betont: „Wer in Europa verkaufen will und unsere hohen Standards nicht erfüllt, hat auf unserem Markt nichts verloren.“ Die neuen Antibiotika-Vorgaben der EU gelten zudem unabhängig vom Mercosur-Abkommen für alle Drittstaaten. „Diese und andere Schutzklauseln konnten wir in der EU nur deshalb durchsetzen, weil wir uns mit anderen verbündeten Staaten strikt gegen ein Mercosur-Abkommen eingesetzt haben und Österreich beharrlich dagegen gestimmt hat“, sieht sich Steinegger in der Kritik am Mercosur-Pakt bestätigt. So funktioniert der Importstopp: Die EU verbietet den Einsatz von Antibiotika zur Wachstumsförderung oder zur reinen Ertragssteigerung. Auch bestimmte Wirkstoffe, die der Behandlung von Menschen vorbehalten sind – sogenannte Reserveantibiotika – dürfen bei Tieren nicht eingesetzt werden. Damit sollen vor allem Antibiotikaresistenzen verhindert werden. Drittstaaten müssen verlässliche Kontroll- und Rückverfolgbarkeitssysteme nachweisen, dass diese Vorgaben über die gesamte Produktionskette eingehalten werden. Fehlen ausreichende Garantien, wird der Marktzugang ausgesetzt. Werden die Nachweise später erbracht und von der Europäischen Kommission anerkannt, können die Exporte beginnen – jedoch müssen sich die EU-Länder erneut darauf einigen. Da Brasilien die entsprechenden Nachweise nicht erbringen konnte, wurde es in einer Durchführungsverordnung im Juni 2026 von der Liste der zugelassenen Fleischexporteure gestrichen. Diese Entscheidung wurde nun mit 3. September schlagend. Die Landwirtschaftskammer Österreich erhofft sich durch Importbeschränkungen positive Marktimpulse.