Dauerwiesen leiden stark
Niederschlagsdefizit von 1. April bis 20. Juli 2026
Im Vergleich zum Niederschlagsmittel der Jahre 1961 bis 1990 hat es seit Anfang April bis letzte Woche vielerorts um 30 bis 40 Prozent weniger geregnet – an extremen Orten sogar bis zu 50 Prozent weniger. Die Niederschläge Mitte Juli verhinderten zwar das Schlimmste, aber regelmäßiger Regen ist weiterhin nötig. Diese Grafik gibt keinen Einblick über die Verteilung der Niederschlagsereignisse. Starkniederschlagsereignisse verringern zwar das Niederschlagsdefizit, können aber meist nicht gut in den Boden eindringen beziehungsweise fließen ab und sind deshalb weniger effektiv wie ein Landregen.
Lage Dauergrünland
Die Lage im Dauergrünland ist nach wie vor angespannt. Nach einer kurzen Erholungsphase mit gewittrigen Niederschlägen leiden die Folgeaufwüchse schon wieder unter Wassermangel. Während zum ersten Aufwuchs Einbußen von 20 bis 80 Prozent des Normalertrages zu verzeichnen waren, machte der durchwegs bessere zweite Schnitt Hoffnung auf noch zufriedenstellende Ernten im Laufe des Jahres. Der vielerorts bereits erfolgte dritte Schnitt brachte abermals starke Ertragseinbußen mit sich. Grünland kann zwar bis spät im Herbst noch Ernten liefern, die Qualität nimmt aber mit späterem Datum aufgrund abnehmender Tageslänge und kühleren Temperaturen kontinuierlich ab. Ein weiteres sich zuspitzendes Problem stellt der Rückgang der Quellschüttungen im Berggebiet dar. Auf einigen Almen und Berg-Grünlandbetrieben muss bereits seit längerem Wasser zur Versorgung der Tiere transportiert werden. Der folgende Artikel skizziert die aktuelle Lage der unterschiedlichen Grünlandkulturen.
Dauer-/Ackergrünland
Ackergrünland – also Wechselwiesen und mehrjähriges Feldfutter wie Kleegras – liefert heuer vielerorts bessere Erträge als die Dauerwiesen. Ein Grund hierfür ist die dichte Grasnarbe des Dauergrünlandes. Durch die intensive Durchwurzelung wird das gesamte Jahr über, also auch im Herbst/Winter, dem Boden Wasser entzogen, sofern es keine schützende Schneedecke oder Dauerfrost gibt. Hier führt die Wintertrockenheit mit Schneemangel und immer wieder auftretenden wärmeren Phasen zum Austrocknen der oberen Bodenschichten durch die Pflanzenwurzeln. Bei Ackergrünland ist dieser Effekt weniger ausgeprägt, da die Wurzelmasse bei jungen, ein- bis dreijährigen Beständen noch weniger ausgeprägt ist. Gut sichtbar war dieser Effekt auch beim Frühjahrsanbau von Mais nach Grünland. Auch die traditionelle Egartwirtschaft in den inneralpinen Trockenlagen – also der regelmäßige Wechsel von Acker mit Grünland im mehrjährigen (bis zu zehn Jahre) Wechsel – geht darauf zurück, dass sich die Grasnarbe von Zeit zu Zeit neu aufbauen muss.
Robuste Dauerweiden
Die Dauerweiden zeigen ein etwas anderes Bild als die Mähwiesen, da sie sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit erstaunlich robust zeigen und kaum ausbrennen. Ein Grund ist hier die intensive Durchwurzelung der obersten Bodenschicht bis fünf Zentimeter durch die Weidegräser, allen voran Wiesenrispe und Englisch Raygras. Hier reichen bereits Regengüsse von fünf Litern aus, um das Wachstum wieder zu starten. Dies scheint auch ein Unterschied zu vergangenen Sommerdürren zu sein, wo es sechs Wochen nicht regnete bei zugleich hohen Temperaturen – hier kam es auch zu verbrannten Grasnarben. Die Weidegräser ziehen sich dann in ihre unterirdischen Sprosse zurück und bilden bei wieder einsetzender feuchter Witterung rasch neue Blatttriebe. Um das Wachstum bei den Mähwiesen mit Tiefwurzlern wieder anzuregen, ist bei ausgetrockneten Böden hingegen viel mehr Niederschlag notwendig.
Grasnarbe stirbt nicht
Auch wenn es den Anschein hat, stirbt die Grasnarbe von Dauerwiesen und Weiden nicht so schnell ab. Der Grund ist die Fähigkeit der Grünlandpflanzen, mit ihren unterirdischen Sprossachsen Dürreperioden gut zu überstehen. Dabei haben die Arten verschiedene Strategien entwickelt: Viele überdauern mit verdickten, knapp unter der Bodenoberfläche liegenden Grundsprossen und Wurzelstöcken, sogenannten Rhizomen. Ausläufertreibende Arten überdauern in den Kriechsprossen. In beiden Fällen kann es sein, dass auf der Bodenoberfläche nur mehr abgestorbene Blätter und Triebe sichtbar sind.
Versiegende Quellen
Ein sehr großes Thema sind die vielerorts nachlassenden Quellschüttungen. Dies hat die Ursache im trockenen Herbst und Winter, wenn die Quellwasservorräte gefüllt werden müssen. Besonders betroffen sind die Almen, wo bereits Wasser für die Tiere transportiert werden muss. Hier sind in einigen Fällen neue Quellfassungen, aber auch die Anlage von Wasserreservoirs anzudenken.
Bewässerung?
Die Bewässerung von Grünland ist aufgrund des Wasserbedarfs und der oft leichten Böden nur in Ausnahmefällen sinnvoll und möglich. Als Faustzahl kann gesagt werden, dass je Hektar bewässerter Fläche ab dem Zeitpunkt zu geringer Bodenfeuchte (der Bestand „steht“) etwa 300 Kubikmeter Wasser abends etwa alle fünf bis sechs Tage benötigt wird. Neben dem verfügbarem Wasser (Entnahmerecht) ist auch die technische Ausstattung mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden. Grünland mit Fässern zu bewässern, ist aufgrund der benötigten Wassermenge nicht sinnvoll.
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Juli-Niederschläge im letzten Moment
Nach den sehr niederschlagsarmen Monaten März und April waren vielerorts die ersten Niederschläge erst ab Mitte Mai zu verzeichnen. Nach einigen Niederschlagsereignissen Anfang Juni gab es bis Mitte Juli meist keinen nennenswerten Regen. Außerdem führten die hohen Temperaturen in dieser niederschlagsarmen Phase dazu, dass zusätzlich Stress für die Pflanzen herrschte und etwaige Niederschläge sofort wieder verdunstet wurden und nicht in tiefere Bodenschichten gelangten. Im Ackerbau sind üblicherweise Standorte mit leichten Böden, Schotter-Standorte und Standorte mit geringer Bodenauflage von der Trockenheit betroffen. Anfang Juli befanden sich die meisten Frühjahrskulturen noch im entscheidenden Stadium der Blüte. Bei Mais können Trockenphasen, besonders trockene Luft zu schlechter oder ausbleibender Befruchtung führen, da die Narbenfäden vertrocknen. Bei Sojabohne führt Wassermangel zum Abwerfen der Blüten und somit zum Ausbleiben der betroffenen Hülsen. Die Niederschläge Mitte Juli dürften hier für die meisten gerade noch im letzten Moment gekommen sein. Womöglich aber für manche zu spät, besonders auf sehr seichtgründigen Standorten oder bei sehr durchlässigen Böden. Bei Mais sind es vor allem die kürzeren Wuchshöhen, die solche Bodenunterschiede erahnen lassen. Die Frühjahrskulturen Kürbis, Soja und Hirse konnten die Trockenphasen dieses Mal besser wegstecken. Zusammengefasst lässt sich also sagen: Viele Bestände könnten noch mit einem blauen Auge davonkommen. Jedoch ist für die nächsten Wochen regelmäßiger Regen nötig, um weiteren Schaden zu vermeiden.