„Bieten Zimmer nur für Erwachsene an"

Warum haben Sie sich als Südtiroler für die Oststeiermark entschieden?
DANIElA VIKOLER: Die hügelige Landschaft erinnert uns an Mittelitalien und das Klima an Südtirol. Die Nähe zu Wien und Graz war für den Tourismus ideal. Als wir den Hof auf willhaben fanden, war es Liebe auf den ersten Blick.
Was hat Sie zu dem Adults-Only-Konzept bewogen?
PETER PIRCHER: Unsere Kinder sind groß und wir haben lieber Erwachsene am Hof. Unser Bauernhof ist klein und liegt abgeschieden. Wir bieten Halbpension, bei uns dauert das Essen lange. Kinder werden da eher unruhig. Außerdem haben wir einen Naturteich – der könnte mit Kindern problematisch sein.
Nur Erwachsene als Gäste: Wächst der Trend?
PIRCHER: Absolut ja. Schwierig ist die Kommunikation – weil die Leute „Urlaub am Bauernhof“ immer mit Kindern in Verbindung bringen. Es hätten sicher noch mehr Betriebe Platz. Vor allem junge Paare suchen Ruhe und Natur und schätzen Bio.
Wie reagieren Sie auf Anfragen von Familien?
VIKOLER: Wir sagen höflich ab und verweisen auf die „Urlaub am Bauernhof“-Homepage. Und darauf, dass es dort eine große Auswahl an wunderbaren Betrieben für Kinder gibt.
Lohnt sich Ihr Konzept?
VIKOLER: Die Nachfrage ist gut und wir sind nicht von Ferienzeiten oder Saisonen abhängig. Die Gäste sind bereit, mehr zu zahlen, wenn die Leistung passt: Ruhe beim Frühstück, länger beim Abendessen, Qualität der Lebensmittel, die Ausstattung, Sauberkeit – der Gast zahlt nicht nur für Adults only. Viele kommen wieder.
Wer sind Ihre typischen Gäste?
VIKOLER: Junge Paare ohne Kinder, ältere Paare und Pensionisten sowie Eltern aus der näheren Umgebung, die sich eine kurze Auszeit nehmen.
Was erwarten sich Ihre Gäste?
PIRCHER: Sie schätzen die Ruhe, gutes und regionales Essen – wenn möglich bio – und wollen Kontakt zu Tieren und Landwirtschaft. Wir bieten aktiv Hofführungen. Eine gute Ausstattung ist wichtig.
Wie wichtig sind Nachhaltigkeit und regionale Produkte?
VIKOLER: Beides ist absolut im Trend. Wir leben es und entsprechend kommen die Gäste zu uns. Es gäbe auch ein Adults-only-Klientel, das keinen Wert drauf legt, aber das erübrigt sich: wir arbeiten nachhaltig, biologisch und haben guten Kontakt zu Gästen. Leute, die das nicht so mögen, kommen nicht oder nicht wieder.
Wie bewerben Sie Ihr Angebot?
PIRCHER: Das Werbebudget ist klein. Wir setzen auf Messen, sind online buchbar auf „Urlaub am Bauernhof“, booking.com und bei Steiermark-Tourismus, nutzen die social media-Kanäle und der Rest ist Mundpropaganda. Seit wir Adults only auch im Namen haben, ist die Nachfrage nochmals gestiegen.
Ihr Rat an Interessierte?
Konsequent bleiben und nicht den Mut verlieren! Anfangs mussten wir Buchungen mit Kindern stornieren. Das tat weh. Aber die Gäste suchen gezielt und jeder findet seinen passenden Hof. Spezialisierung ist wirklich sinnvoll.
Pircherhof
Daniela Vikoler und Peter Pircher kommen aus Südtirol und vermieten seit drei Jahren auf ihrem Hof in Pöllau fünf Doppelzimmer mit Halbpension. Die Landwirtschaft wird biologisch geführt und neben 50 Rindern sind auf dem Archehof auch seltene Tierrassen zu finden.