Misteln in Streuobstwiesen
Biologie und Verbreitung
Die Laubholzmistel siedelt sich bevorzugt auf Obstbäumen wie Apfel, seltener auch auf Birne, an. Sie kommt jedoch ebenso auf zahlreichen anderen Laubbäumen, wie Pappeln, Linden und Birken, vor. Die Verbreitung erfolgt fast ausschließlich über Vögel. Diese fressen die reifen weißen Beeren und streifen die Samen beim Sitzen auf Ästen ab oder scheiden sie wieder aus. Für die Ausbreitung sind dabei vor allem wenige Vogelarten wie Misteldrossel, Mönchsgrasmücke und Seidenschwanz von Bedeutung. Weiters gelten auch die Wacholderdrossel, die Singdrossel und die Ringeltaube als Mistelverbreiter. Der Großteil der Vogelarten trägt jedoch kaum oder gar nicht zur Verbreitung bei.
Die Mistel ist gut an diese Ausbreitungsform angepasst. Je größer ihre Blattmasse ist, desto intensiver kann der Wasser- und Nährstoffentzug aus der Wirtspflanze erfolgen, was das weitere Wachstum des Halbparasiten begünstigt. Im Laufe der Jahre entwickeln sich so die typischen kugeligen Mistelbüsche.
Misteln blühen bereits im Spätwinter, wenn viele andere Pflanzen noch keine Blüten tragen. Die Bestäu-bung erfolgt überwiegend durch winteraktive Insekten, darunter verschiedene Fliegenarten. Da das Nah-rungsangebot für blütenbesuchende Insekten zum Blühzeitpunkt noch nicht besonders groß ist funktio-niert die Bestäubung sehr gut.
Einfluss auf Obstbäume
Als Halbschmarotzer entziehen Misteln ihren Wirtsbäumen Wasser und Nährstoffe. Einzelne Mistel-pflanzen stellen für einen gesunden, vitalen Obstbaum in der Regel keine unmittelbare Beeinträchtigung dar. Werden jedoch der Stamm oder Leitäste befallen ist bereits ein frühzeitiges Eingreifen erforderlich. Bei stärkerem Befall kommt es zu einer messbaren Verringerung von Wuchskraft und Vitalität kommen. Besonders bei älteren oder bereits geschwächten Bäumen kann sich dies langfristig auf Kronenentwick-lung und Ertrag auswirken.
In weniger gepflegten Streuobstwiesen oder überalterten Beständen können sich Misteln über Jahre hinweg anreichern. In solchen Fällen ist es sinnvoll, das Vorkommen regelmäßig zu beobachten und im Rahmen der üblichen Pflege darauf zu reagieren.
Einfluss klimatischer Veränderungen
Steigende Temperaturen erweitern das potenzielle Verbreitungsgebiet bestimmter Vogelarten, die an der Ausbreitung der Mistel maßgeblich beteiligt sind. Dadurch können Mistelsamen auch in Regionen einge-bracht werden, in denen sie früher seltener vorkamen. Gleichzeitig werden viele Streuobstbestände heu-te weniger regelmäßig gepflegt als früher. Diese bieten günstige Ansiedlungsbedingungen für Misteln. Zusätzlich leiden Streuobstbäume zunehmend unter der Klimaerwärmung und der immer häufiger wer-denden trockenen, heißen Phasen im Sommer. Die Ausbreitung wird somit durch das Zusammenspiel aus veränderten klimatischen Bedingungen und nachlassender Pflege begünstigt.
Pflege und Maßnahmen
Misteln sind ein natürlicher Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Eine vollständige Entfernung ist aus momentaner Sicht weder erforderlich noch ökologisch sinnvoll. Da die Mistel nicht unter besonderem Schutz steht, ist eine Entfernung bei Bedarf jedoch problemlos möglich. Im Obstbau ist die Entfernung empfohlen, da ein Bewuchs von Misteln die befallenen Apfelbäume schwächt und ihre Vitalität mit den Jahren stark einschränkt. Eine Entfernung von Misteln an umliegenden Wirtsbäumen ist bei moderatem Befall nicht zwingend notwendig.
Schnittanweisung zur Mistelregulierung
Die Regulierung von Misteln sollte gezielt und im Rahmen der regulären Obstbaumpflege erfolgen. Be-währt hat sich ein abgestuftes Vorgehen, das den Befallsgrad berücksichtigt und den Baum möglichst wenig belastet.
- Zeitpunkt: Die Entfernung erfolgt vorzugsweise im Winterhalbjahr im unbelaubten Zustand, da Misteln dann gut sichtbar sind und Schnittmaßnahmen mit dem regulären Winterschnitt kombi-niert werden können.
- Junge Misteln und Keimlinge: Frisch angesiedelte Misteln (erste Jahre) sollten möglichst voll-ständig an der Ansatzstelle entfernt werden. Das funktioniert gut mit einem Forstnerbohrer. Ein einfaches Abbrechen ist nicht ausreichend, da sich die Pflanze erneut etablieren kann. Ziel ist es, die Keimstelle mechanisch zu beseitigen und eine Weiterentwicklung zu verhindern.
- Ältere Misteln: Bei bereits stärker entwickelten Mistelbüscheln ist ein radikaler Rückschnitt des befallenen Astabschnittes notwendig. Dabei sollte 30 bis 50 cm ins gesunde Holz geschnitten werden, da die Mistel mit ihrem Saugorgan tief in das Wirtsgewebe eingewachsen ist. Ein voll-ständiges Entfernen aller Mistelanteile ist je nach Ort und Schwere des Befalls nicht immer möglich.
- Nacharbeit: Nach dem Schnitt empfiehlt es sich, haftende Mistelsamen von Ästen und Stamm mechanisch abzubürsten, um Neuansiedlungen zu reduzieren. Das Schnittgut sollte gesammelt und sofern Samen darauf sind, ordnungsgemäß entsorgt werden (z.B. Verarbeitung zu Hack-schnitzeln).
- Kontrolle und Folgepflege: Da Misteln langsam, aber kontinuierlich nachwachsen, ist eine re-gelmäßige Kontrolle notwendig. Eine nachhaltige Regulierung lässt sich nur durch wiederholte Maßnahmen im Rahmen der laufenden Streuobstpflege erreichen.
Fazit
Misteln sind ein natürlicher Bestandteil von Streuobstwiesen, beeinträchtigen jedoch bei starkem Befall die Vitalität und Ertragsfähigkeit von Obstbäumen deutlich. Besonders in älteren Beständen ist daher eine regelmäßige Kontrolle sinnvoll. Durch gezielte Schnittmaßnahmen im Rahmen der laufenden Pflege lässt sich der Mistelbefall wirksam begrenzen. Ein ausgewogenes Management trägt dazu bei, Streu-obstwiesen langfristig gesund und leistungsfähig zu erhalten