Frauen im Wald: Geht das? Und wie!
Forstwirtschaft ist Männersache – das war schon immer so. Das stimmt so nicht. Zum Beispiel übernahmen während des Zweiten Weltkriegs die sogenannten „Lumberjills“ des britischen Women’s Timber Corps anstelle der Lumberjacks (Holzfäller) sämtliche forstlichen Arbeiten. Dennoch trifft man heute nur selten Frauen als Waldbesitzerinnen und in den forstlichen Berufen. Aber macht es überhaupt einen Unterschied, wer den Wald bewirtschaftet? Und bringen Frauen einen Mehrwert?
Mehr Innovationen
Untersuchungen sagen ganz klar: Ja. Was spricht für Frauen in der Forstwirtschaft?
Mehr Innovationen
Untersuchungen sagen ganz klar: Ja. Was spricht für Frauen in der Forstwirtschaft?
- Bessere Entscheidungen, weniger Risiko: Geschlechtergemischte Teams decken breitere Perspektiven ab und haben weniger blinde Flecken.
- Mehr Innovation: Frauen bringen oft andere Problemlösungsansätze und Kommunikationsstile ein und haben einen weiteren Blickwinkel auf verschiedene Bedürfnisse.
- Bessere Arbeitskultur: Gemischte Teams arbeiten oft kooperativer, kommunikativer und konfliktärmer als rein männliche Teams.
- Bekämpfung des Fachkräftemangels: Viele Berufe – auch die Forstwirtschaft – brauchen qualifizierte Arbeitskräfte. Auf Frauen zu verzichten, ist kontraproduktiv.
- Wirtschaftliche Stabilität für Frauen: Den eigenen Wald selbst zu bewirtschaften schafft Spielraum, im Handeln wie im Finanziellen. Und soll man den Frauen die schwere Arbeit zumuten? Wir können Frauen durchaus zutrauen, ihre Fähigkeiten selbst einzuschätzen. Auch Forstfacharbeiterinnen und Forstwirtschaftsmeisterinnen finden ihren Platz in der Arbeitswelt – lassen muss man sie halt. Betrachtet man die gesamte forstliche Wertschöpfungskette inklusive Behördendienst, Beratung, Forschung, Bildung, Dienstleistungen etc., dann gibt es reichlich hochinteressante und körperlich leicht bewältigbare Berufsfelder, für die Frauen ganz sicher nicht schlechter geeignet sind als Männer. Auch dort, wo Muskelkraft gefordert war, bringt die Technik Erleichterungen: Forstpflanzen und sonstiges schweres Material werden heute mit Drohnen an den Einsatzort geflogen.
Nicht fällen, aber Wald von morgen formen
In der Natur sein und den Wald gestalten, das ist was ganz Besonderes für mich. Seit über 20 Jahren bin ich als Försterin in der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl tätig. Seit mehr als zehn Jahren bin ich Waldbewirtschafterin unseres Betriebes. Als Fachreferentin in der forstlichen Aus- und Weiterbildung habe ich die Möglichkeit, Wissen zu vermitteln, aber auch – und das ist mir besonders wichtig – Begeisterung und Verantwortung für den Wald und die Waldwirtschaft zu wecken. Dass ich später einmal in der Forstwirtschaft tätig sein möchte, war für mich schon sehr früh klar. Durch die Mithilfe im eigenen Betrieb, war mein Interesse am Wald immer schon da. Herausforderungen für eine Frau in der Forstwirtschaft gab und gibt es natürlich genügend, aber diese hat man aus meiner Sicht in jedem anderen Beruf auch. Ich sehe es als sehr wichtig an, dass man fachliche Kompetenz hat und das macht, was man gut kann. Meine Aufgabe in unserem Forstbetrieb ist es nicht, Bäume zu fällen – das können andere besser. Meine Stärken liegen im Organisatorischen und in vorbereitenden und unterstützenden Tätigkeiten, wie beispielsweise der Auszeige und Jungwuchspflege (damit gestalte ich den Wald der Zukunft), der Holzausformung oder der Organisation der Holzabfuhr.
Helga Pretterhofer, 46, Waldbesitzerin aus Breitenau
Helga Pretterhofer, 46, Waldbesitzerin aus Breitenau
Selbstbewusst mit Leistung überzeugen
Aufgewachsen in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, entwickelte ich früh eine enge Verbindung zur Natur. Viele Tage im Wald, oft bei Holzarbeiten mit den Eltern, sowie das Interesse an der Jagd haben diese Begeisterung geprägt. Die Ausbildung an der Försterschule in Bruck/Mur hat diesen Weg weiter gefestigt. Bis heute ist die Arbeit im eigenen Wald ein wirklich fester Bestandteil meines Alltags und zugleich ein besonders wichtiger Ausgleich. Die Arbeit in der Forstwirtschaft bringt vielfältige Herausforderungen, die Struktur, Flexibilität und Belastbarkeit erfordern. Als Frau ist es oft notwendig, sich zu beweisen, eine Aufgabe, die zusätzlich motiviert, selbstbewusst aufzutreten und mit Leistung zu überzeugen. Die Tätigkeit in einem Forstvermessungsbüro ermöglicht spannende Einblicke in unterschiedlichste Betriebe und Bewirtschaftungsformen. Der Einsatz moderner Technologien im Innen- und Außendienst sowie die Arbeit direkt im Gelände machen den Berufsalltag besonders abwechslungsreich und hochinteressant. Genau über diesen wichtigen Weg entstand auch mein großes Interesse an der Geodäsie (Studium Vermessungswesen), sodass ich heute am Ende meines Masterstudiums an der Technischen Universität Wien stehe.
Kathrin Birnbauer, 24, Bezirk Neunkirchen
Kathrin Birnbauer, 24, Bezirk Neunkirchen
Wer für die Sache brennt, findet den Weg
Über verschiedene Umwege fand ich als Spätberufene zu meinem aktuellen Arbeitsplatz – dem Wald. Vor sieben Jahren sollte ich für eine Stelle auf einer Alp in der Schweiz den Motorsägeführerschein machen. „Mach ich!“, sagte ich und buchte einen Kurs in der Forstlichen Ausbildungsstätte Pichl. Zwei Wochen waren wir im Wald, in der Werkstatt und im Schulungsraum. Und am Ende wusste ich, wie man einen Baum fällt, die Säge wartet und welche Sicherheitsbestimmungen zu berücksichtigen sind. Gleichzeitig war eine neue Leidenschaft in mir geweckt: die Waldarbeit! Mittlerweile bin ich Forstfacharbeiterin und arbeite in einem Forstbetrieb im Waldviertel. Ich liebe es, in der Natur zu sein, körperlichen Einsatz zu leisten und vor allem die abwechslungsreiche Arbeit der Waldpflege – vom Bäumchen setzen bis zur Holzernte. Ganz klar sehe ich jetzt: Die Forstwelt hat für jeden Charaktertyp mit den unterschiedlichsten Talenten etwas Ansprechendes zu bieten. Warum sollte man sich gegen den eigenen Wunsch entscheiden, nur weil er unüblich ist? Man wächst ja mit diesem Wunschberuf jeden Tag. Meine Ausbildung, der Teamgeist und der Austausch mit meiner großartigen Kollegin sowie anderen Forstfrauen geben mir Halt. Wenn man für etwas brennt, findet man immer einen Weg.
Isabell Blumenschein, 46, Forstfacharbeiterin, Zwettl
Isabell Blumenschein, 46, Forstfacharbeiterin, Zwettl
Graz: Internationale Forstfrauenkonferenz
Mit dem Interreg-Danube-Projekt „Fem2forests“ macht die Forstliche Ausbildungsstätte (FAST) Pichl gemeinsam mit 15 Partnern aus neun Ländern sichtbar, welche Karrierechancen die Forstwirtschaft Mädchen und jungen Frauen bietet – und welchen Beitrag Frauen in der Wertschöpfungskette der Forst- und Holzwirtschaft leisten können. Nach über zwei Jahren endet das Projekt mit einer Abschlusskonferenz am 22. und 23. April 2026 im Steiermarkhof in Graz. Zur Konferenz „Women in Forestry: Connecting Across Borders and Generations“ haben sich bereits über 100 Teilnehmerinnen aus mehr als 20 Ländern angemeldet, darunter aus der Mongolei, Island und Ghana. Das Ziel: Austausch, Vernetzung und gemeinsam die Zukunft der Forstwirtschaft gestalten.
Vorurteile sind unsichtbare Hürden
- Forstwirtschaft ist „zu schwer“
„Für Frauen ist der Wald nix, die Arbeit ist zu schwer.“ Ja, die körperliche Arbeit im Wald erfordert Kraft – aber Geschicklichkeit, Technik, ergonomische Geräte und gute Ausbildung machen vieles leichter. Außerdem ist die Forstwelt viel breiter: Betriebsführung, Planung und Koordination, Beratung, Forschung, Naturschutz, Kommunikation, Bildung etc. Jede Frau findet hier ein Betätigungsfeld, das zu ihren Talenten passt – ob Motorsäge oder Management. Und übrigens: Auch längst nicht jeder Waldbesitzer schneidet seine Bäume selbst um. - In der Forstwirtschaft gibt es ja nur Männer
Oft wird Mädchen oder jungen Frauen von Forstberufen abgeraten, weil „man es als Frau schwer hat“. Strukturen und Kommunikation sind stark männlich geprägt – mit ein Grund, warum auch Waldbesitzerinnen sich unter ihresgleichen oft nicht ganz wohl fühlen. Umgekehrt sind Männer mitunter irritiert, wenn plötzlich eine Frau anwesend ist. Aber: Frauen bringen oft neue Perspektiven und Kompetenzen, mehr Kommunikationsstärke und ein anderes Feingefühl ein. Bessere Ergebnisse und ein verändertes zwischenmenschliches Klima werden so möglich. - Frauen können sich in der Forstwirtschaft nicht durchsetzen
Nicht immer geht es um das bessere Argument. Häufig zählen ganz andere Dinge – Stellung, Alter oder Hektar. Hier kann es von Vorteil sein, dass Frauen in männerdominierten Feldern gewohnt sind, ihre Kompetenz beweisen zu müssen. Wenn sie etwas äußern, haben sie es sich im Normalfall schon vorher gut überlegt. Viele Frauen gehen in heiklen Situationen strategischer und geschickter vor, Klarheit und ruhige Kommunikation bewirken oft mehr als Lautstärke. - Es gibt genug anderes zu tun …
In bäuerlichen Betrieben haben Frauen oft mit Haus und Hof genug zu tun. Sollen sie jetzt auch noch in den Wald gehen? Aber: Miteinander arbeiten und Austausch sind auch im Wald wertvoll. Außerdem können bäuerliche Betriebe ihre Arbeiten weitgehend selbst einteilen. Bei ungefährlichen Tätigkeiten können Kinder mitgenommen und eingebunden werden. Dann werden sie sich später umso mehr für die Forstwirtschaft interessieren – unabhängig vom Geschlecht. - Frauen sind technisch nicht interessiert
Salopp gesagt, ist Forstwirtschaft keine Raketenwissenschaft. Die technische Schwierigkeit ist also nicht der Grund für ein eventuelles Desinteresse. Viel eher wird den Frauen dieses Desinteresse von vornherein unterstellt. Wird ihr Interesse geweckt, schneiden sie nicht schlechter ab als Burschen. Abgesehen davon: Forstwirtschaft ist viel mehr als nur Technik – siehe Punkt 1. - Frauen fehlen die Vorbilder
Das stimmt (noch!), gerade deshalb braucht es sichtbare Forstfrauen. Sobald junge Frauen sehen, dass Frauen in der Forstwirtschaft erfolgreich sind, steigt das Interesse und sie trauen sich selbst mehr zu. Immer hilfreich: Netzwerke und Gespräche mit Gleichgesinnten. Erfahrungsaustausch und gegenseitiger Support motivieren, machen Mut und öffnen Türen. - Frauen haben selten eine forstliche Ausbildung
Nur wenige Waldbesitzerinnen haben eine forstliche Ausbildung. Den Wald bewirtschaftet „der Mann“ – aber was, wenn dieser ausfällt? Forstliches Basiswissen ist eine Versicherung, die man mit sich selbst abschließt. Das Gute: Es gibt viele Gelegenheiten zu lernen – ob bei Exkursionen, Kursen, Seminaren oder online. Übrigens: Motorsägenkurse für Frauen erfreuen sich größter Beliebtheit.
Köpfchen, nicht Kraft zählt
Egal ob im Wald, in der Werkstatt, im Klassenzimmer oder im Hörsaal: Mädchen und Frauen sind in forstlichen Aus- und Weiterbildungen deutlich in der Minderheit. Hauptgrund ist das Image der Forstwirtschaft als „männliche“ und körperlich harte Branche. Daher wirken Bildungsangebote wenig einladend – oft, weil Frauen die Anforderungen als zu hoch einschätzen oder sich unwohl fühlen, wenn sie „als Einzige“ unter vielen Männern stehen.
Eintrittskarte Fachwissen
Eintrittskarte Fachwissen
- Fachwissen ist die Eintrittskarte in die Forstwelt. Wie können Mädchen und Frauen dazu motiviert werden, ihr Ticket zu lösen?
- Vorbilder machen Mut: Waldbesitzerinnen, Försterinnen, Forstexpertinnen oder Forstarbeiterinnen, die sich, ihren Bildungsweg und ihre Arbeit sichtbar machen, sind Türöffnerinnen. Wenn Mädchen und Frauen sehen, wie vielfältig Tätigkeiten und Karrierewege sind, trauen sie sich eher eine forstliche Ausbildung oder Weiterbildung zu.
- Angebote, die zur Lebensrealität von Frauen passen: Die meisten Frauen haben viel zu tun und wenig Zeit. Formate wie Online-Seminare, modulare Weiterbildungen oder eher kurze Veranstaltungen sind für viele Frauen leichter zu besuchen. Ein gutes Beispiel sind die Waldspaziergänge für Frauen, die seit über zehn Jahren bestehen und großen Anklang finden. Sie finden an einem Nachmittag statt und Kinder können mitgenommen werden .
- Gemeinschaft stärkt Selbstvertrauen! Viele sagen: „Unter Männern traue ich mich nicht zu fragen.“ Frauenkurse – etwa Motorsägenkurse – schaffen eine angenehme Lernatmosphäre. Man unterstützt sich gegenseitig, tauscht Erfahrungen aus, gewinnt Sicherheit.
- Forstwirtschaft ist weit mehr als Bäume fällen. Planung, Koordination, Projekt- oder Naturraummanagement, Monitoring, Betriebswirtschaft oder Beratung – hier zählt Köpfchen, nicht Kraft. Moderne Inhalte machen die Branche attraktiver. Technisierung und Digitalisierung, etwa durch Geoinformationssysteme, Maschinenassistenz oder Drohneneinsatz, reduzieren körperliche Anforderungen und eröffnen neue Zugänge – auch für Frauen.
Frauen bereichern die Forstwirtschaft
iele land- und forstwirtschaftliche Betriebe in der Steiermark werden von Frauen geführt. Als Betriebsführerin und „eigene Chefin“ haben Frauen damit eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Frau“ teilt sich selbst die Arbeiten und Zeit ein und kann das gut mit den betrieblichen und familiären Herausforderungen abstimmen.
Gut beim Organisieren
Aber wird dieses Potenzial auch in jedem Betrieb gesehen und erfolgreich genutzt? Die von den Frauen täglich gelebte Fähigkeit – nämlich gut zu organisieren, zu optimieren und zu kombinieren, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen –, ist auch für die Waldbewirtschaftung sehr wichtig. Sie hilft Betrieben, erfolgreich zu wirtschaften und die Betriebsziele zu erreichen.
Klare Kommunikation
Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die forstliche Praxis zeigt, dass Frauen viel offener und direkter zum Beispiel mit Holzfrächtern oder Schlägerungsunternehmern kommunizieren und auf Einhaltung von Terminen mehr insistieren. Controllingaufgaben (sei es bei der Holzernte oder Holzabrechnung) werden auch genauer wahrgenommen. Durch andere berufliche und/oder betriebliche Tätigkeiten bringen Frauen andere Sichtweisen und zusätzliches Know-how in den Betrieb ein (Grafik rechts).
Frauenpower gefragt
In einer nach wie vor männlich dominierten Branche ist es wichtig, dass es Frauenpower gibt und diese mehr wird. Dass sich Betriebsführerinnen forstlich aus- und weiterbilden. Dass Mädchen und junge Frauen, zukünftige Hofübernehmerinnen eine forstliche Ausbildung machen. Dass Frau und Mann sich bei ihren Tätigkeiten und Talenten ergänzen. Dass Stärken gestärkt werden und so die optimale Waldbewirtschaftung gelingt!
Autor: Helga Pretterhofer
Gut beim Organisieren
Aber wird dieses Potenzial auch in jedem Betrieb gesehen und erfolgreich genutzt? Die von den Frauen täglich gelebte Fähigkeit – nämlich gut zu organisieren, zu optimieren und zu kombinieren, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen –, ist auch für die Waldbewirtschaftung sehr wichtig. Sie hilft Betrieben, erfolgreich zu wirtschaften und die Betriebsziele zu erreichen.
Klare Kommunikation
Kommunikation ist ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Die forstliche Praxis zeigt, dass Frauen viel offener und direkter zum Beispiel mit Holzfrächtern oder Schlägerungsunternehmern kommunizieren und auf Einhaltung von Terminen mehr insistieren. Controllingaufgaben (sei es bei der Holzernte oder Holzabrechnung) werden auch genauer wahrgenommen. Durch andere berufliche und/oder betriebliche Tätigkeiten bringen Frauen andere Sichtweisen und zusätzliches Know-how in den Betrieb ein (Grafik rechts).
Frauenpower gefragt
In einer nach wie vor männlich dominierten Branche ist es wichtig, dass es Frauenpower gibt und diese mehr wird. Dass sich Betriebsführerinnen forstlich aus- und weiterbilden. Dass Mädchen und junge Frauen, zukünftige Hofübernehmerinnen eine forstliche Ausbildung machen. Dass Frau und Mann sich bei ihren Tätigkeiten und Talenten ergänzen. Dass Stärken gestärkt werden und so die optimale Waldbewirtschaftung gelingt!
Autor: Helga Pretterhofer