Die drei Bestplatzierten beim Wettbewerb „Bauernhof des Jahres 2026“ der Landwirtschaftskammer haben eines gemeinsam: Sie erzeugen jenen Strom, den sie für ihre landwirtschaftliche Produktion benötigen, in einem hohen Ausmaß auf ihren eigenen Dächern. Der begehrte Titel „Bauernhof des Jahres 2026“ geht an den Bio-Masthendlbetrieb von Erhard und Eva Greinix aus Edelschrott. Platz 2 erreichten David und Bernadette Hausleitner, auf deren Feldern Farina-Vulkanlandweizen für die Brotherstellung wächst und die Vulkanlandschweine füttern. Platz 3 erzielten Kerstin und Karl Klug, die mit ihren besonderen Tierwohlstall und ihrer Hofkäserei punkteten, in der sie 13 Käsespezialitäten herstellen. Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger, Vizepräsidentin Maria Pein und Kammerdirektor Werner Brugner gratulieren den Ausgezeichneten
Bauernhof des Jahres 2026: Unser Strom kommt fast nur vom Dach – daher haben unsere Biohendl auch kaum Stress
Der beliebte Titel „Bauernhof des Jahres“, den die Landwirtschaftskammer Steiermark jährlich vergibt, geht 2026 an Erhard, Eva, Sabrina und Julia Greinix aus Edelschrott. Als Land- und Forstwirt hat Erhard Greinix schon zahlreiche Höhen und Tiefen durchgemacht. Eine der größten Tiefschläge war, als der Sturm Paula vor 20 Jahren fast seine gesamten Waldflächen zunichtemachte. Doch der ambitionierte Landwirt und Agrardienstleister, der mit Ballenpresse und Co. anderen Landwirten Arbeiten abnimmt, gab nicht auf. 2017 investierte er kräftig in einen Biomasthendl-Stall, 2021 nochmals in einen sogenannten Voraufzuchtstall, in dem Greinix die Küken bis zu ihrem 29. Lebenstag aufzieht bis sie schließlich in seinen Biomasthendl-Stall einziehen. 9.600 Biomasthühner betreut Erhard Greinix, die einen Wintergarten sowie einen freien Auslauf auf die Hühnerweide haben. Dass die Biomasthühner kaum Stress haben werden, hängt mit der Leidenschaft von Erhard Greinix zur Photovoltaik zusammen. Doch wie?
Umweltfreundlich: 96 Prozent des Stroms kommt vom Dach
Auf den Dächern seiner Wirtschaftsgebäude hat Erhard Greinix bereits 2011 die ersten Photovoltaik-Module zur Herstellung von Sonnenstrom installiert und diese kontinuierlich erweitert. Er begann mit einer Leistung von 20 kWp und baute diese auf heute 60 kWp aus. „Damit kann ich 96 Prozent des gesamten Stromverbrauchs für die Landwirtschaft und die beiden Wohneinheiten versorgen“, freut sich Greinix und spart sich damit sehr, sehr hohe Stromrechnungen. Denn der Stromverbrauch für das computergesteuerte Stallmanagementsystem wie die Steuerung der Fütterung, Lüftung und Ventilatoren, der Lufttemperatur, der Heizung, der Luftfeuchtigkeit und des Lichtes ist enorm. Errichtet hat er die Photovoltaik-Anlagen, um energieunabhängiger zu werden, Umwelt sowie Klima zu schonen und vor allem für das Tierwohl. Greinix: „Ich schütze meine Biomasthühner vor einem Black-out durch eigenen Strom und mit einem System aus Notstromaggregaten und Stromspeichern, die einen Stromausfall in den Ställen absolut verhindern.“ Erhard Greinix, für den als Landwirt „das Rechnen“ zu einen der wichtigsten Kompetenzen zählt, wird in absehbarer Zeit seinen Betrieb an Tochter Sabrina übergeben, die an der Karl-Franzens-Universität Graz Umweltsystemwissenschaften mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre studiert hat.
Platz 2 für David und Bernadette Hausleitner aus Markt Hartmannsdorf: Farina-Vulkanlandweizen für die Brotherstellung, Vulkanlandschweine und Strom vom Dach
David Hausleitner zeigt kompromisslos, wieviel Qualität in Regionalität steckt – er setzt auf Farina-Vulkanlandweizen und Vulkanlandschweine. Er begründet: „Unsere Chance liegt in der Regionalität, nicht jedoch in der Produktion für den Weltmarkt.“ Seit zwölf Jahren wächst auf seinen Feldern Farina-Vulkanlandweizen, der für die Brotherstellung prioritär verwendet wird. „Die Qualitätsanforderungen für den Farina-Vulkanlandweizen sind sehr hoch, daher sind perfekte Pflegearbeiten das Um und Auf“, sagt der engagierte Landwirt, der einer der 35 Vulkanlandweizenproduzenten ist. Bei diesem Premium-Brotgetreide kommt es vor allem auf den Proteingehalt, die Klebeeigenschaften, das Hektolitergewicht, die Lagerfähigkeit und die Feuchtigkeit an. Hausleitner, der mit einer Ernte von 100 Tonnen einer der größten Farina-Vulkanlandweizenproduzenten ist, betont: „Es werden ständig Proben gezogen, um diese Eigenschaften zu überprüfen.“ Der landwirtschaftliche Facharbeiter ist auch begeisterter Schweinehalter und setzt auf Vulkanlandschweine. Warum? „Weil Regionalität durch die Marke Vulkanlandschwein garantiert ist“, unterstreicht David Hausleitner. Er begründet: „Vulkanlandschweine sind im Umkreis von 30 Kilometern geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet, die Transportwege sind kurz und der C02-Fußabdruck ist klein.“ Mit dem Erst- und Drittplatzierten verbindet Hausleitner die Herstellung von Sonnenstrom am Dach. Hausleitner: „Mit der 50 KWp Photovoltaikanlage samt Speicher, die seit Februar installiert sind, wird etwa dreiviertel des jährlichen Stromverbrauchs für Fütterungstechnik, Lüftung, Silotechnik, Heizung und das Privathaus erzeugt.“
Platz 3: Kerstin und Karl Klug aus Mooskirchen – besonderer Tierwohlstall, Hofmolkerei und Sonnenstrom vom Dach
Kerstin Klug beherrscht das Handwerk des Käsens – 13 verschiedene Sorten hat sie im Angebot: vom „Gießenberg-Käse“, mit dem sie 2025 den ersten Landessieg holte, über den „Jungen Mooskirchner“ und „Weststeirer“ bis hin zum Weichkäse „Der Karl“, benannt nach ihrem Ehemann, von dem sie auch das Käsen lernte. Im August bringt Kerstin Klug eine neue Käsesorte auf den Markt: Wolfis Pfefferbiss, der vier Monate reift. 50.000 bis 70.000 Liter Milch verarbeitet Kerstin Klug pro Jahr, die das Käsen zu ihrem Hauptberuf machte. Die strikte Arbeitsteilung am Hof macht es, dass Karl Klug vorwiegend für die Stall- und Außenarbeiten verantwortlich ist. Hier gab es 2020 einen großen Wachstumsschub. Karl Klug: „Wir haben einen besonderen Tierwohlstall gebaut, bei dem die Tiere das Gefühl haben mitten in einer Wiese zu liegen. Sie haben sehr viel Licht, Luft, Sonne sowie getrennte Fress- und Liegeplätze. Mehr kann man für die Tiere nicht mehr tun.“ Gebaut wurde dieser Stall nach wissenschaftlichen Erkenntnissen der Forschungsanstalt Raumberg-Gumpenstein. Ausgerichtet ist dieser Tierwohlstall für 60 Milchkühe und deren Nachzucht, in Summe 120 Rinder. Seit einem halben Jahr ist auch ein Melkroboter in Betrieb, der Arbeitserleichterung schafft und die Tiergesundheit und Tierwohl fördert. Und 2027 wird um einen Trockensteherbereich erweitert. Erneuerbare Energie ist bei Familie Klug ebenfalls großgeschrieben. Der Sonnenstrom kommt vom Dach und von PV-Freiflächen, der über eine besondere Form einer Energiegemeinschaft geliefert wird. Die Wärme wird von Hackschnitzeln aus dem eigenen Wald hergestellt. Zwischen 80 und 90 Prozent des Strom- und Wärmebedarfs wird durch erneuerbare Energie gedeckt.
Zahlen und Fakten
Zwischen 16. März und 16. April fand die Wahl zum Bauernhof des Jahres 2026 statt. Insgesamt wurden 15.507 Stimmen abgegeben, davon 5.514 Unterschriften-Stimmen und 9.993 Online-Stimmen. Familie Greinix holten sich 4.768 Stimmen. 3.207 Stimmen bekam der Zweitplatzierte David Hausleitner. Familie Klug erzielte insgesamt 2.910 Stimmen. Der Wettbewerb „Bauernhof des Jahres“ wird als Publikumsvoting geführt. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb von der Landwirtschaftskammer Steiermark und der Fachzeitung Landwirtschaftliche Mitteilungen. Insgesamt stellten sich 22 land- und forstwirtschaftliche Betriebe diesem Bewerb.